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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Auf dem Weg von Machtkontrolle zu dienender Kirche

15.09.2014
Frage: Herr Glück, während des Treffens in Magdeburg ließen die Bischöfe Offenheit für Änderungen im kirchlichen Arbeitsrecht und im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen erkennen. Wann rechnen Sie mit konkreten Reformen?
Glück: Der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen ist nicht zuletzt durch die im Herbst anstehende Weltbischofssynode in Rom ein Thema der Weltkirche geworden. Die deutschen Bischöfe haben mit Blick darauf Position bezogen. Das ist eine sehr positive Entwicklung.
Frage: Und das Arbeitsrecht?
Glück: Hier sind Änderungen dringend notwendig und dieses Thema können die Bischöfe auf nationaler Ebene angehen. Da gibt es keine Ausreden mit Blick auf die Weltkirche. Konkrete Ergebnisse werden hoffentlich innerhalb des kommenden halben Jahres vorliegen.
Frage: Hinter den Kulissen scheint es aber noch Abstimmungsbedarf zu geben.
Glück: Das ist klar, weil die rechtlichen Fragen auch zentrale Aspekte des kirchlichen Selbstverständnisses berühren.
Frage: Wie könnte der Dialog ab 2015 weitergehen?
Glück: Zunächst einmal hat dieser Dialogprozess eine positive Eigendynamik entwickelt im Sinne einer allmählich wieder angstfreieren Diskussionskultur innerhalb der Kirche. Zusätzliche Schubkraft hat es durch Papst Franziskus gegeben, der mit seinem Auftreten und seinem Amtsverständnis wie ein Eisbrecher gewirkt hat.
Frage: Was folgt daraus für die Zukunft?
Glück: Ziel muss es meiner Ansicht nach sein, dass wir im Innern eine lebendige und nicht mehr von Angst geprägte Gemeinschaft sind, in der sich Neues entwickeln kann. Dabei wird in Deutschland und in der Welt zentral sein, ob und wie wir eine richtige Verbindung zwischen wünschenswerter Vielfalt und notwendiger Einheit bekommen.
Frage: Wie beschreiben Sie den Wandlungsprozess ?
Glück: Weg von der Machtkontrolle in Zeiten der Volkskirche hin zu einer dienenden Kirche. Der Papst macht es vor. In dem Maß, in dem Kirche auf die Menschen zugeht und als hörende Kirche auftritt, wird sie in der Gesellschaft weiter gebraucht und eine wichtige Rolle spielen. In Magdeburg wurde das so formuliert: „Demütig, selbstbewusst und mit nüchterner Leidenschaft.“
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