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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Auf die klassischen Stärken besinnen“

11.06.2014
Frage: Herr Dr. Rosenau, Sie stellen bei Ihren Vorträgen gern die rhetorische Frage, ob das Ende des klassischen Einzelhandels bevorsteht. Und, muss es so kommen?
Rosenau: Die Wachstumszahlen für den Handel per Internet – E-Business – insgesamt und für einzelne Konzerne wie beispielsweise Zalando sind in der Tat dramatisch. Sechs Jahr nach der Gründung erreicht Zalando schon 1,8 Milliarden Euro Umsatz! Dieser Betrag muss ja irgendjemandem weggenommen worden sein. Wenn das so weitergeht, wird es über kurz oder lang nicht mehr so viel klassischen Einzelhandel geben, wie wir das heute kennen.

Gast in Oldenburg

In der vergangenen Woche war Rosenau zu Gast beim „famila TALK - live“ in Oldenburg Wechloy. Der Einzelhandelsexperte ist von Haus aus Jurist und war 10 Jahre in der Hamburgischen Bürgerschaft. Die von ihm gegründete First Christmas by Rosenau GmbH beliefert Einkaufscenter und andere große Kunden mit Weihnachtsdekorationen.

Frage: Wo sollte der klassische Einzelhandel ansetzen, um gegenzuhalten?
Rosenau: Er muss sich fragen, was die Menschen eigentlich wollen. Und das ist nicht die bloße Deckung eines Bedarfes oder die Optimierung von Verkaufsabläufen, wie etwa ein beschleunigtes Check-out an der Kasse. Da ist das Internet definitiv besser. Der stationäre Einzelhandel sollte sich auf das besinnen, was seine klassischen Stärken sind – die Begegnung von Menschen auf lebendigen Marktplätzen, also auf Kommunikation und Emotionen, die damit verbunden sind – wie Staunen, Lästern oder auch Flirten. Menschen wollen das. Sie brauchen das! Wenn der stationäre Einzelhandel das in seinen Konzepten berücksichtigt, kann er punkten, wenn die Läden und das ganze Umfeld entsprechend gestaltet werden. Auch ein freundliches Lächeln der Mitarbeiter hilft. Und vielleicht wird Verkaufen auch immer mehr Entertainment, wie bei Tupper-Partys.
Frage: Ziehen die Einzelhändler an einem Strang, um das Umfeld zu verbessern?
Rosenau: Man muss ja unterscheiden zwischen den einzelnen Einkaufsstraßen und Einkaufszentren. Die Center haben den Vorteil, dass sie zentral gemanagt werden. Doch dort steht oft noch noch die kurzfristige Optimierung von Abläufen und Vermietungen im Hauptfokus. Hauptziel sollte es aber sein, aus den Einkaufszentren lebendige Marktplätze zu machen. Bei den Einkaufsstraßen ist natürlich der einzelne Kaufmann nicht in der Lage, etwas zu bewirken. Der fängt in ganz kleinen Schritten an und stellt vielleicht eine Bank vor sein Geschäft. Nur gemeinsames Vorgehen mit anderen hilft aber. Sehr wichtig sind Stadtrat und Verwaltung.
Frage: Inwiefern?
Rosenau: Die Stadt kann etwas tun, indem sie Geld in die Hand nimmt, um die Innenstadt attraktiver zu machen, damit Menschen dort gern ihre Zeit verbringen. Ein anderer Ansatz ist ein Pakt für ein besseres Geschäftsumfeld – im Fachenglisch „Business Improvement District (BID)“ genannt. Dort werden Grundstückeigentümer per Satzungsbeschluss in einem bestimmten innerstädtischen Bereich zu einem Pakt zusammengefasst und zwangsweise herangezogen, Geld zu geben für gezielte Verschönerungsmaßnahmen. Das können etwa Bänke, Grünanlagen, Spielgeräte oder ein Brunnen sein. In anderen Bundesländern gibt es schon Gesetzesgrundlagen. In Hamburg wird es intensiv praktiziert.
Frage: Wie wichtig ist eigentlich die Erreichbarkeit des Einzelhandels, etwa in der Innenstadt? Sind da nicht die Stadtverwaltungen gefordert?
Rosenau: Es ist in der Tat ein Problem, dass man vielerorts sagt: Wir wollen den Individualverkehr aus der Stadt heraushalten. Wenn man schwer hinkommt und die Innenstadt dann ohnehin nicht attraktiv ist, kann das zum Todesstoß werden. Warum sollte man denn hinfahren? Wenn man aber die Innenstadt sehr, sehr attraktiv macht, sieht es anders aus. Die Menschen haben doch immer mehr Freizeit. Sie wollen in die Stadt, um dort etwas zu erleben, um dort eine gute Zeit zu haben, auch mit Kindern und Großeltern. Im Idealfall entfaltet sich ein ganzer schöner Strauß von angenehmen Möglichkeiten für alle auf, für den ganzen Tag. Das sollte eben hoch attraktiv sein. Übrigens: Ein paar Minuten zu Fuß zu gehen von einem Parkplatz in die Innenstadt – das sollte nicht das Problem sein.
Frage: Können stationärer Handel und Internethandel zusammenkommen?
Rosenau: Ja, man kann das Beste aus beiden Welten zusammenführen. Künftig werden die Handelsformen miteinander verschmelzen. Beispiele: Man bestellt im Internet Ware und holt sie im Laden ab. Oder Internethändler gründen Ausstellungsläden.
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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