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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Ausbildung muss auch „cool“ sein

30.07.2015
Frage: Herr Dr. Hildebrandt, der Pool der Jugendlichen, aus dem Unternehmen für die Besetzung ihrer Ausbildungsplätze fischen können, schrumpft – schon allein, weil die niedrigeren Geburtenraten durchschlagen. Wird das eigentlich ewig so weitergehen?
Hildebrandt: Ja, grundsätzlich schon. Es wird von Jahr zu Jahr etwas schwieriger für die Betriebe werden, ihren Nachwuchs zu finden. Zu den Ausnahmen gehören einige wachsende Städte wie zum Beispiel die Stadt Oldenburg, wo es bisher noch keinen spürbaren Rückgang der Schülerzahlen gibt.
Frage: Aber nicht alle Jugendlichen streben in eine Berufsausbildung.
Hildebrandt: Das ist ein weiterer wichtiger Punkt. Der Anteil von Jugendlichen in einem Jahrgang, der studieren will, wächst tendenziell. Diese Jugendlichen stehen dann erst einmal nicht für eine klassische Berufsausbildung zur Verfügung – obwohl die Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten auf diesem Weg bei entsprechender Orientierung oft sehr gut sind.
Frage: Was kann die Wirtschaft tun, um mehr Jugendliche für eine Berufsausbildung zu begeistern?
Hildebrandt: Die Ausbildung muss von den Jugendlichen als attraktiv wahrgenommen werden und auch attraktiv sein. Die Unternehmen müssen dafür buchstäblich Schaufenster errichten, um potenziellen Azubis die Lern- und Arbeitsbedingungen, Qualifizierungsmöglichkeiten und allgemeine berufliche Perspektiven zu veranschaulichen. Viele streben zu großen Namen wie Volkswagen, weil sie dort angenehme Verhältnisse bis hin zur Freizeit vermuten. Sie wissen vielfach gar nicht, was bei Mittelständlern oder kleinen Unternehmen vor Ort alles möglich ist.
Frage: Also...?
Hildebrandt: ...Jugendlichen Orientierung bieten, also glaubhaft aufzeigen, wie gut man junge Leute qualifiziert und wie man auf die Berufsausbildung weiter aufbauen kann. Mit tollem Ausbildungspersonal werben und zeigen, dass Jugendliche vollwertige Mitglieder der Arbeitsteams sind. Das wollen Jugendliche wissen, und damit kann man sie erreichen und binden.
Frage: Konkret, wo kann man als Betrieb ansetzen?
Hildebrandt: Zum Beispiel bei Praktika, die man Schülerinnen und Schülern anbietet. Ganz wichtig: Dafür muss es ein internes Konzept geben – das muss gar nicht kompliziert sein! Es hat erfahrungsgemäß wenig Sinn, Jugendliche einfach irgendwo – zufällig – ein paar Stunden mitlaufen zu lassen. Vieles entgeht ihnen dann, und was als unkoordiniert und wenig wertschätzend empfunden wird, landet schnell auf zahlreichen Smartphones. Deshalb sollten sie die Chance haben, sich richtig zu den vielfältigen Aufgaben in einem Unternehmen zu orientieren und entsprechendes Feedback erhalten. Ein entsprechendes Konzept hilft übrigens auch, die Abbruchquote zu verringern. Mancher Jugendliche sagt sich ja in den ersten Monaten der Ausbildung: Verflixt, das hatte ich mir ja ganz anders vorgestellt! Solche Abbrüche sind für den Betrieb auch teuer, es geht um mehrere Tausend Euro.
Frage: Womit kann man konkret punkten?
Hildebrandt: Letztlich mit einer gut organisierten, hochwertigen Ausbildung, die auf hervorragend qualifizierten Ausbildern basiert. Diese müssen ihre Aufgabe gern und am besten ein wenig leidenschaftlich angehen. Diese Ausbilder sollten möglichst Persönlichkeiten sein, die in der Lage sind, Jugendliche ganzheitlich zu sehen, über die Arbeit hinaus. Und: Jugendliche wollen quasi „abgeholt“ werden. Sie wollen in der Ausbildungsoption einen Mehrwert für sich erkennen. Die Ausbildung muss als Lebensabschnitt attraktiv, „cool“ sein. Man darf nicht vergessen, dass viele Azubis in den Ausbilderinnen und Ausbildern ihre neuen „Klassenlehrer“ sehen. Diese Rolle auszufüllen ist sicherlich nicht immer ganz leicht.
Frage: Wenn man das bieten kann, wie wird es bekannt?
Hildebrandt: Das geht heutzutage in Windeseile – mit Lob und auch mit Kritik. Dafür sorgt die Kommunikation der Jugendlichen untereinander. Sie sind permanent online. Generell sollten Betriebe jede Chance nutzen, nicht nur über ihre Produkte, sondern noch mit anderen Kriterien das Image zu pflegen. Dazu gehört eine gute Ausbildung. Ein tolles Schaufenster dafür ist auch der Preis für Innovative Ausbildung (PIA) der NWZ. Deutlich wird an den vielen Bewerbungen dort übrigens auch: In der Ausbildung bei Unternehmen in der Region wird nicht nur viel gelernt, sondern es kann auch Spaß machen!
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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