Frau Birkner, Ihr Arbeitsinhalt ist das Thema Existenzgründung. Was würden Sie selbst gerne gründen?
BirknerEin Unternehmen fürs Beamen (lacht). Das könnte ich gut gebrauchen, um schneller an unterschiedlichen Orten zu sein: im Kindergarten, bei Konferenzen. Nein, im Ernst: Vieles geht über Webkonferenzen, aber der persönliche Kontakt geht durch die Digitalisierung schon verloren.
Sie sind Juniorprofessorin für Female Entrepreneurship. Gibt es einen markanten Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Gründern?
BIRKNERJein, Gründung an sich hat kein Geschlecht. Es geht um Talent, Ideen und Mut. Und es gibt unglaubliche viele Arten von Gründertypen – unabhängig vom Geschlecht. Meiner Meinung nach gibt es aber einen – und ich sage bewusst – möglichen Unterschied: die weibliche Intuition, die geprägt wird durch die Sozialisation der Frauen. Das könnte ein Anriss sein, aber ich bewege mich damit auf Glatteis. Fest steht: Frauen sind risikobewusster. Ihre Unternehmen wachsen langsamer, aber stabiler. In Krisen haben sie damit dann unternehmerisch oft nicht so große Einbrüche wie ihre männlichen Counterparts. Wenn sie Personal einstellen, denken sie länger darüber nach, weil sie es dann auch halten können wollen.
Dennoch hat man den Eindruck: Gründen ist eher männlich.
BIRKNER43 Prozent aller Gründer in Deutschland sind laut einer Studie Frauen. Das ist auf den ersten Blick nicht wenig. Man muss aber bedenken, dass ein großer Teil davon Nebenerwerbs-Gründungen sind – vielleicht ein Zeichen dafür, dass Frauen vorsichtiger sind, lieber zunächst neben einem festen Job gründen.
Gründen Frauen in anderen Bereichen als Männer?
BirknerDie Statistiken sagen ja. Die sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, weil gemischte Gründungsteams unterschiedlich einbezogen werden. Stimmt schon: Viele machen sich im sozialen oder kreativen Bereich selbstständig. Es gibt auch Frauen in Hightech-Branchen. Das sind aber eher selten reine Frauenteams – schlichtweg auch, weil es in den MINT-Bereichen insgesamt schon weniger Frauen gibt. Die Außendarstellung übernehmen in diesen Unternehmen aber meistens die Männer. „Ich bin halt nicht so die Rampensau“, höre ich dann oft und haue den Frauen schon mal auf die Finger: Ihr habt einen gesellschaftlichen Auftrag! Ihr müsst den Mädels da draußen zeigen, dass es geht.
Was geben Sie potenziellen Gründerinnen an die Hand?
BirknerVor allem sollten sie ein Bild von sich als Gründerin im Kopf haben. Es gibt da kaum ein richtig oder falsch. Wichtig ist, dass sie authentisch hinter ihrer Gründungsidee stehen. Auch sollten sie wissen: Sie können nicht nur gründen, wenn sie eine eigene Idee haben. Sie können sich auch einem Team anschließen. Die Start-up-Community entwickelt sich schnell, da gibt es mittlerweile schon Gründer-Castings. Wer ein Unternehmen gründen will, sollte Leute ansprechen, die genau das machen, zum Beispiel auf Gründertreffen. So können sie herausfinden, ob ihnen das passt. Und immer dran denken: Gründung muss nicht immer gleich riesig sein. Sie kann auch vom Küchentisch aus passieren.
