Herr Skudelny, wie ist es um den Denkmalschutz in Deutschland bestellt?

SkudelnyDeutschland ist eine Kulturnation und der Denkmalschutz wird sehr stark wahrgenommen – auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Zugleich entstehen aufgrund des Wachstums von Großstädten und der Entvölkerung in ländlichen Gebieten neue Herausforderungen.

Was bedeutet das konkret?

SkudelnyIn Großstädten erfolgt eine starke Verdichtung. Die Denkmäler werden immer mehr von anderen Gebäuden eingezwängt und auch die Proportionen ändern sich, wenn mehrgeschossige Häuser daneben aufragen. Wenn zum Beispiel auf dem Grundstück einer historischen Villa, die einen großen Garten um sich hatte, Mehrfamilienhäuser entstehen, dann sieht man nicht mehr, wie dort damals gewohnt wurde. Die historische Bedeutung und der Zusammenhang mit dem Umfeld gehen verloren. Im ländlichen Bereich fehlen durch die Landflucht vielerorts die engagierten Menschen und auch das Geld, um die vielen Denkmäler erhalten zu können.

Wer pflegt die Denkmäler in Deutschland?

SkudelnyDas meiste Engagement kommt von den Bürgern selbst, die eigene Objekte besitzen und liebevoll pflegen. Dann gibt es Vereine, die besondere Denkmäler ehrenamtlich betreuen. Die Kirche ist oft zuständig für ihre eigenen Objekte und die öffentliche Hand betreut vielfach die sehr großen Denkmäler wie Schlösser oder Rathäuser. Wir als Stiftung sammeln Spenden, um private Eigentümer, Vereine und Kirchen bei der Denkmalpflege zu unterstützen.

Reicht die finanzielle Unterstützung für Denkmäler nicht aus?

SkudelnyDie Zuschüsse gehen gerade für die vielen kleinen Denkmäler zurück. Deshalb ist man immer mehr auf Spenden angewiesen. Früher war es so, dass auch die Gemeinden und Städte den Erhalt von Denkmälern mitfinanziert haben und die wussten selbst am besten, wo lokal der Bedarf war. An ihre Stelle getreten sind Bundes- und EU-Töpfe, deren Mittel oft an große Projekte gehen.

Zur Eröffnung des bundesweiten Tags des offenen Denkmals am Samstag, 10. September, in Oldenburg kommt der Bauhistoriker und Denkmalpfleger Steffen Skudelny (50). Im Interview spricht er über die besonderen Herausforderungen für Denkmalschützer.