• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

75 Jahre Pogromnacht: „Bei der Frage der Täterschaft ist noch vieles offen“

09.11.2013

Frage: Gibt es nach Jahrzehnten der Forschung noch neue Erkenntnisse zum 9. November 1938?

Knoch: Ja, das Bild ist differenzierter geworden. Wir sprechen jetzt zum Beispiel von den „Novemberpogromen“, weil sie mehrere Tage dauerten. Es sind mehr historische Dokumente zugänglich geworden. Aber wir haben auch neues herausgefunden, weil die lokale Bevölkerung angefangen hat, mehr zu erzählen. Wir verstehen die Dynamik zwischen zentraler, antijüdischer Politik und der lokalen Gewalt auch besser.

Frage: Und welche Lücken gibt es noch?

Knoch: Gerade Fragen nach der Beteiligung der Bevölkerung sind nach wie vor groß. Wer ist letztendlich für die Durchführung der Pogrome, des Inbrandsetzens von Synagogen verantwortlich? Wer hat es denn gemacht? Bei der Frage nach der Täterschaft ist noch vieles offen.

Frage: Wofür steht die Pogromnacht im historischen Gesamtzusammenhang?

Knoch: Zum Einen bedeuteten die Novemberpogrome eine Radikalisierung der Gewalt gegenüber den Juden. Zum Anderen aber radikalisierte sich die wirtschaftliche Ausgrenzung und Vertreibung der Juden. Die Nazis betrieben das schon vor dem 9. November 1938 als Teil der Kriegsvorbereitung. Die Novemberpogrome waren Anlass, die Arisierung zu forcieren – alles unter den Augen von viel Verwaltungspersonal und der Bevölkerung.

Frage: Wie groß war das Ausmaß der Novemberpogrome in Niedersachsen?

Knoch: Mit die größte Symbolkraft hatte sicher die Zerstörung der Synagoge in Hannover. Aber in einem Flächenland wie Niedersachsen, wo es teilweise auch außerhalb der Städte jüdische Gemeinden gab, bedeuteten alle Zerstörungen für die jüdische Bevölkerung immer den traumatischen Bruch ihrer Integration in die lokale Gesellschaft. Auch der kleine Übergriff, die Zerstörung von Fenstern in Wohnhäusern etwa, machte Angst: Die Juden merkten, dass sie in dieser Gesellschaft nicht mehr sicher waren.

Frage: Gedenken die Menschen nach 75 Jahren der Novemberpogrome noch?

Knoch: Ich nehme in den letzten zehn bis zwanzig Jahren sogar eine Zunahme wahr. Beim offiziellen Gedenken haben sich neben dem 9. November auch Tage wie der 27. Januar zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus fest etabliert. Da geschieht vieles in den Kommunen, es findet viel bürgerschaftliches Engagement statt. Aber auch die Ebene des nicht-rituellen Gedenkens, also das, was mit Dokumentation, Lernen, praktischer Arbeit verbunden ist, nimmt an Bedeutung zu. Insofern gibt es in Niedersachsen eine sehr lebendige Gedenkkultur an vielen Orten. Aber wir dürfen uns als Gesellschaft nicht darauf ausruhen, dass es Einrichtungen wie Gedenkstätten gibt. Diese müssen weiterentwickelt, vor allem aber muss Erinnern historisch fundiert, mit Gegenwartsbezug gefüllt und aktiv gelebt werden.

Kathinka Burkhardt Nordenham / Redaktion Nordenham
Rufen Sie mich an:
04731 9988 2202
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.