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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Diese Kirche ist ein magischer Ort“

29.09.2018
Frage: Herr Kadesha, Ihre Vornamen lauten Jonian Ilias. Das klingt fast so, als hätten Ihre Eltern Ihnen einen Namen wie Musik mit auf Ihren Lebensweg geben wollen...
Kadesha: . . . Jonian kommt von der Ionian Sea, also dem Ionischen Meer, das Meer, das sich Albanien und Griechenland teilen. Es symbolisiert also meinen Hintergrund: geboren in einer albanischen Familie, aufgewachsen in Griechenland. Ilias hat viele Bedeutungen; der Prophet Elias ist eine der interessantesten Figuren in der Bibel, aber es gibt auch die griechische „Ilias“ von Homer, eines der frühesten literarischen Meisterwerke der Menschheit! Und außerdem heißt „Ilios“ Sonne.
Frage: Wann haben Sie mit dem Geigenspielen begonnen?
Kadesha: Ich habe mit vier meinen ersten „richtigen“ Geigenunterricht bekommen, von meinem Vater.
Frage: Auf hohem Niveau zu musizieren bedeutet, sehr früh sehr viel üben zu müssen. Von anderen Musikern hört man oft, dass sie Phasen hatten, in denen sie am liebsten mit der Musik Schluss gemacht hätten. Wie war das bei Ihnen?
Kadesha: Meine Eltern haben klugerweise dafür gesorgt, dass ich zwar viel übe und mich mit Musik beschäftige, aber gleichzeitig auch viele andere Sachen mache, die jeder Teenager machen möchte. So habe ich früh gelernt, nicht obsessiv nur über Musik und Geige zu denken, sondern auch mal das Leben zu genießen. Nicht, dass Musik kein Genuss ist, aber Sie wissen, was ich meine...
Frage: An Konzerttagen kommen Sie vermutlich nur dazu, die Stücke aus dem jeweiligen Programm zu proben. Aber was ist mit den übrigen Tagen? Übt ein großer Geiger wie Sie dann immer noch täglich?
Kadesha: Ob ich täglich Elementares übe? Ja und Nein. Ich habe natürlich nicht mehr die Zeit, meine Etüden und Tonleitern täglich so ausführlich zu üben wie in den jüngeren Jahren oder im Studium. Man lernt, kreativer zu üben und zum Beispiel eine schwierige Passage von einem Violinkonzert als Übungsstück zu benutzen. Trotzdem gibt es die Momente, wo ich zwei Schritte zurück gehe, und mehr über Technik reflektiere. Das bringt natürlich mit sich, dass ich dann doch Tonleitern und Etüden übe.
Frage: Sie sind jetzt 25, haben in den letzten beiden Jahren fünf große Preise gewonnen, und Sie haben bereits mit berühmten Musikern zusammengearbeitet. Welche Ziele kann man da noch haben?
Kadesha: Mein Ziel ist, genau so viele Kammerkonzerte wie Solokonzerte zu spielen, da ich mich mit beidem zu Hause fühle. Mein Traum ist es aber, ein kompletter Musiker zu werden, so viel wie möglich über Musik zu lernen und immer weiter zu suchen; das ist an sich unerreichbar, deshalb ist das auch ein Traum.
Frage: Zusammen mit Ihrem Trio Gaspard und allein leiten Sie Meisterkurse auf der ganzen Welt. Wie kommt es, dass sich ein Künstler von Ihrem Format in die kleine Warflether Kirche verirrt?
Kadesha: Sehr oft sind die besten Konzerterlebnisse in Orten wie dieser kleinen Kirche. Es gibt einfach Orte, die etwas Magisches, Intimes und Einmaliges ausstrahlen. Und diese Warflether Kirche ist genau so ein Ort. Außerdem ist das Publikum wahnsinnig offen, interessiert und ehrlich. Ich respektiere und schätze auch den Veranstalter sehr. Musik ist wirklich seine Leidenschaft, und das findet man nicht so oft bei Veranstaltern und Agenten.
Frage: Für das Warflether Konzert am 3. Oktober haben Sie sich zusammen mit Ihren Triokollegen Vashti Hunter (Cello) und Nicholas Rimmer (Klavier) ein sehr besonderes Programm ausgedacht. Wie hat sich das entwickelt?
Kadesha: Wir wollten schon seit längerer Zeit das berühmte „Quartett für das Ende der Zeit“ von Oliver Messiaen mit dem Klarinettisten Reto Bieri spielen. Unsere Idee war, dieses große Meisterwerk mit kleinen Stücken von verschiedenen Komponisten zu kombinieren, die sich ebenfalls mit dem Thema Zeit beschäftigen, aus verschiedenen Perspektiven und Kontexten. Viele davon sind selber von uns arrangiert. Es wird Musik von der Renaissance bis in die Moderne gespielt, von Dowland und Bach bis Berg und Cage. Wir freuen uns alle sehr darauf!
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