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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Betroffene fühlen sich von oben herab behandelt

28.06.2016
Frage: Vier von fünf Missbrauchsopfern in der katholischen Kirche waren laut einer neuen Studie Jungen. Worauf führen Sie dies zurück?
Rörig: Bis zu den Achtzigerjahren waren Ministranten fast ausschließlich Jungen. Auch andere Aufgaben im kirchlichen Leben wurden vor allem von Jungen übernommen. Erst danach sind Stück für Stück auch Mädchen zugelassen und fester Bestandteil im Gemeindealltag geworden. In kirchlichen Strukturen war es für Geistliche in der Vergangenheit sehr leicht, sich Kindern zu nähern. Viele Priester haben das Vertrauen ausgenutzt, das ihnen entgegengebracht wurde. Das war Teil ihrer Täterstrategie.
Frage: Die Studie bescheinigt Geistlichen als Tätern emotionale und sexuelle Unreife, Persönlichkeitsstörungen und Pädophilie. Überrascht Sie das?
Rörig: Mich wundert das nicht. Wir haben schon viel über den Umgang der katholischen Kirche mit Fragen der Sexualität gelesen und gehört. Die kirchliche Sexuallehre war und ist sehr konservativ, das Thema Sexualität ein großes Tabu. Es fehlt an einer offenen Auseinandersetzung mit Sexualität. Das fördert emotionale Unreife bei vielen Priestern.
Frage: Welche Rolle spielt das Zölibat?
Rörig: Es kann ein begünstigender Faktor sein. Der Zölibat schreckt Geistliche, die Kinder missbrauchen wollen, natürlich nicht im Geringsten ab.
Frage: Hat die katholische Kirche die richtigen Schlüsse aus den Skandalen der Vergangenheit gezogen?
Rörig: Für mich ist nicht erkennbar, dass die Eignungsprüfungen für Priesteranwärter tatsächlich verändert worden wären. Dabei sollte doch klar sein, dass die notwendige Stärke und emotionale Reife gerade im Umgang mit der eigenen Sexualität für das Amt vorhanden sein müssen. Auch in Zeiten des Priestermangels muss das Anforderungsprofil an das Priesteramt deutlich erhöht werden, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen.
Frage: Großzügig oder viel zu gering – wie beurteilen Sie die finanziellen Zahlungen der Kirche an die Opfer?
Rörig: Von Großzügigkeit würde ich nicht sprechen. Ich höre immer wieder Kritik. Es wird leider häufig nicht auf Augenhöhe zwischen Kirchenvertretern und Betroffenen gesprochen. Betroffene fühlen sich wie von oben herab behandelt.
Rasmus Buchsteiner Korrespondentenbüro Berlin
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