• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Bierzelt-Rede war ein genialer Schachzug

01.06.2017
Frage: Donald Trump will offenbar das Pariser Klimaabkommen aufkündigen. In wenigen Tagen soll die Entscheidung bekanntgegeben werden. Ist der US-Präsident nicht an gemeinsamen Lösungen globaler Probleme interessiert?
Hacke: Die USA sind unter Trump vom Pro­blemlöser zum Problem Nummer 1 geworden. Der Ausstieg aus dem Klimaabkommen würde endgültig klarmachen, dass der US-Präsident keinerlei Verantwortungsgefühl für die Weltpolitik hat. Er kann einfach nicht in größeren Zusammenhängen denken.
Frage: Was bedeutet es, wenn die USA als Führungsmacht ausfallen?
Hacke: Wir stehen am Beginn einer Zeitenwende. Es gibt keine Weltordnung mehr ohne die Führungsmacht USA. Noch schlimmer: Die Europäer müssen womöglich sogar gegen die USA handeln. Plötzlich haben wir mit einer ideologisch völlig gegensätzlich positionierten Weltmacht wie China größere gemeinsame Interessen. Das Wertefundament des transatlantischen Verhältnisses hat für Trump keine Gültigkeit, wenn es konkret wird.
Frage: Kanzlerin Angela Merkel hat Trump für unzuverlässig erklärt. Wie bedrohlich ist die neue Eiszeit zwischen Berlin und Washington?
Hacke: Die Verstimmungen sind ernst. Zwar waren die deutsch-amerikanischen Beziehungen seit Adenauers Zeiten problembeladen. Aber es gab immer eine konstruktive Rivalität mit zufriedenstellenden Ergebnissen für beide Seiten. Trump beschleunigt jetzt einen Trend zur Konfrontation, der schon unter Kanzler Gerhard Schröder eingesetzt hatte.
Frage: War es ein Fehler von Merkel, US-Präsident Donald Trump zu attackieren?
Hacke: Sie hat die USA für unzuverlässig erklärt. Das birgt die Gefahr, dass nun ein neuer Antiamerikanismus aufkommt, was ein großer Fehler wäre. Merkels Bierzelt-Rede war auch dem Wahlkampf geschuldet. Sie hat auf brillante Weise verhindert, dass die SPD mit Anti-Trump-Politik punktet. Und auch mit ihrem Appell, die EU müsse ihr Schicksal jetzt stärker selbst in die Hand nehmen, hat die Kanzlerin der SPD den Wind aus den Segeln genommen. Sie hat damit sehr geschickt einen Europa-Enthusiasmus in Deutschland bedient.

Weitere Nachrichten:

SPD | EU