Stephan Weil, der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, hat kürzlich sein Konzept für den ländlichen Raum vorgestellt. Was halten Sie davon?
DürrAbsolut gar nichts. Herr Weil will den Kommunen gerade hier im Nordwesten ans Portemonnaie, indem er den Flächenfaktor abschafft. Außerdem möchte er eine Dame zur Ministerin für den ländlichen Raum machen, die von sich selbst sagt, dass sie bisher keine Ahnung von dem Thema hat. Wir sind eine sehr erfolgreiche Region, das sollte man nicht aufs Spiel setzen.
Wie sehen Sie Weils Idee, den Flächen- durch einen Demografiefaktor zu ersetzen?
DürrDas halte ich für falsch. Der Herausforderung des demografischen Wandels begegnet man viel besser durch eine gute Infrastruktur und eine wohnortnahe Schulversorgung. Herr Weil will aber jeder dritten Grundschule in Niedersachsen an den Kragen. Wir werden bestimmt nicht mehr Kinder haben, wenn wir Schulen dichtmachen. Als Ausgleich dann einen sogenannten Demografiefaktor einzuführen, ist fast schon zynisch.
Wie wollen Sie denn im Gegensatz zu Weil den ländlichen Raum in Niedersachsen attraktiver machen?
DürrVor allem darf man nicht zuerst Schulen schließen. „Stirbt die Schule, stirbt das Dorf“, heißt es zu Recht. Außerdem ist es wichtig, in Infrastruktur zu investieren, um den Weg freizumachen für Wachstum. Eine prosperierende Wirtschaft mit starkem Mittelstand ist die beste Garantie dafür, dass auch junge Familien sich für ein Leben auf dem Land entscheiden. Der Nordwesten hat in den letzten Jahren gezeigt, wie das geht.
Die Liberalen regieren sowohl in Berlin als auch in Hannover mit. Hätten Sie das nicht alles schon längst selber machen können?
DürrGenau das haben wir auch. Wir haben den Flächenfaktor eingeführt und einen Schwerpunkt bei Bildung und Infrastruktur gesetzt. Gleichzeitig haben wir den niedersächsischen Landeshaushalt wieder in Ordnung gebracht, indem wir in anderen Bereichen auch gekürzt haben. Das war schmerzlich, aber richtig. Im Bund hat die FDP mit einem Landärztekonzept dafür gesorgt, dass die medizinische Versorgung auch im ländlichen Raum auf höchstem Niveau sichergestellt wird.
