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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Bürgermeister: Politik früh in Entscheidungen einbinden

08.02.2020
Frage: Wie geht es Ihnen? Sind Sie eher ernüchtert oder euphorisch?
Reents: Ich habe diesen Schritt noch zu keiner Zeit bereut, sondern freue mich darauf, die Zukunft Wardenburgs mit viel positiver Energie mitgestalten zu können. Dabei finde ich es wichtig, auch im Blick zu haben, was hier gut läuft, um darauf aufzubauen.
Frage: Der Haushalt ist verabschiedet, Sie haben sich einen Überblick über die Finanzen verschafft. Welche Projekte genießen nun aus Ihrer Sicht Priorität?
Reents: Es gibt eine Reihe von Investitionen im Haushalt, die auf bestehenden Beschlüssen beruhen – beispielsweise die Kita-Erweiterungen in Wardenburg und Achternmeer oder das Bürgerhaus in der ehemaligen Hallenbad-Sauna. Gleichzeitig werden aber in der Zukunft auch noch weitere Projekte auf uns zukommen – ein Beispiel ist die Sporthalle in Südmoslesfehn. Deshalb erarbeiten wir im Moment ein langfristiges Investitionsprogramm „Wardenburg 2030“. Auf dieser Basis können wir dann seriös darüber nachdenken, wo wir Prioritäten setzen wollen und sollten. Zurückhaltung bei neuen Schulden ist eine gute Vorgabe, aber das darf nicht zu einem Investitionsstau führen mit maroden Gebäuden und Straßen.
Frage: Wo sind aus dem Blickwinkel des Bürgermeisters Stärken von Wardenburg, die Sie mehr ins Licht rücken möchten?
Reents: Die direkte Anbindung an die Autobahn ist ein ganz großer Standortvorteil, den es stärker herauszustellen gilt. Deshalb ist die Schaffung von Gewerbeflächen ganz wichtig – hier sind wir zurzeit fast an der Kapazitätsgrenze.
Für die Wohnqualität ist die Naturnähe verbunden mit einer tollen Verkehrsanbindung ein wichtiger Aspekt. Auch junge Familien leben gern hier – das ist eine große Chance für die Gemeinde, auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel.
Frage: Wie wollen Sie junge Familien an die Gemeinde binden?
Reents: Dafür brauchen wir beispielsweise ein Punktesystem bei der Vergabe von Baugrundstücken. Und: Wir müssen eine gute Kinderbetreuung anbieten. Dazu sind wir schon vom Gesetz her verpflichtet. Nach dem Anspruch auf einen Kita-Platz werden bald auch offene Ganztagsschulen verbindlich sein. In Hundsmühlen sind wir schon dran, aber auch die anderen Grundschulen müssen dafür fit gemacht werden.
Frage: Das Thema Neubaugebiete wird kontrovers diskutiert. Wie stehen Sie dazu?
Reents: Wir brauchen Wachstum mit Augenmaß. Das gilt nicht nur für den Kernort. Auch in den Ortschaften müssen wir überschaubare Wachstumschancen schaffen, ohne zu sehr in die Fläche zu gehen. Deshalb sind auch Nachverdichtungen eine Option. Übrigens ist mit dem Kauf eines Grundstücks immer auch eine Infrastrukturabgabe verbunden, das wird bei der Diskussion um die Infrastrukturkosten gern übersehen. Und: Nicht nur in Neubaugebieten ziehen Familien mit kleinen Kindern zu, bemerkbar macht sich auch der Generationenwechsel in alten Siedlungen.
Frage: Sie sind für mehr Transparenz angetreten. Wie setzen Sie das im Alltag um?
Reents: Für eine konstruktive Zusammenarbeit muss die Verwaltung die Politik schon früher in Prozesse einbinden und nicht erst ein Ergebnis zur Abstimmung präsentieren. Außerdem ist mir auch in diesem Zusammenhang das erwähnte Investitionsprogramm „Wardenburg 2030“ wichtig. Auf diese Weise gibt es keine Salamitaktik, Politik und Verwaltung sind auf dem gleichen Stand. Auch Bürgern und Vereinen gegenüber bin ich gesprächsbereit – das ist mir wichtig.
Frage: Apropos Investitionen: Kommt die Rathauserweiterung?
Reents: Auch hier greift „Wardenburg 2030“ und die daraus abzuleitenden Prioritäten. Fest steht: Das Rathaus ist in die Jahre gekommen. Hier muss etwas passieren – unter anderem, weil wir gute und zeitgemäße Bedingungen für unsere Mitarbeiter bieten möchten.
Frage: Wie weit sind die Pläne zum neuen Busbahnhof?
Reents: Dazu gibt es gute Neuigkeiten: Wir bekommen Fördermittel von rund einer Million Euro. Dieses Projekt ist von der Verwaltung sehr gut vorbereitet worden, dadurch erreichen wir eine Förderquote von insgesamt 90 Prozent. Der Ausbau bedeutet eine beinahe großstädtische Anbindung Richtung Oldenburg, und auch die Ortschaften sollen längerfristig davon profitieren. Außerdem stehen wir mit Hatten und Oldenburg wieder intensiv im Gespräch über den angedachten Fahrradschnellweg. Hier gibt es erste Ideen und ein Grundkonzept.
Anke Brockmeyer Wardenburg / Redaktion Wardenburg
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