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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Wir haben von der Substanz gelebt“

25.04.2018
Frage: Vor drei Jahren kam der Stab der 1. Panzerdivision nach Oldenburg. Wie wurden Sie aufgenommen? Wie läuft der Alltag?
Laubenthal: Oldenburg ist eine traditionsreiche Soldatenstadt. Wir sind hier sehr herzlich empfangen worden. Ich habe das bei meiner Amtsübernahme erlebt, der Zuspruch ist wirklich gut. Wir haben Fuß gefasst in gesellschaftlichen Gruppen; mit den Bundes- und Landtagsabgeordneten sind wir fast jedes Quartal in Kontakt. Die Unterstützung, die wir auch von der Bevölkerung erhalten, hilft sehr, dass wir uns am neuen Standort etabliert haben.
Frage: Wie viele Soldaten sind hier stationiert?
Laubenthal: Der Stab hat etwa 280 Angehörige, zusammen mit der Stabs-/Fernmeldekompanie etwa 500. Insgesamt sind in der Kaserne in Bümmerstede etwa 800 zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Soldatinnen und Soldaten untergebracht bzw. stationiert.
Frage: Ist der Ausbau der Kaserne abgeschlossen?
Laubenthal: Nein, noch nicht. Wir warten auf die Grundsteinlegung für unser Konferenzgebäude. Wir können derzeit keine größeren Konferenzen abhalten, dazu fehlt ganz einfach der Raum. Die Baumaßnahme steht uns zu und wird jetzt nachgeholt.
Frage: Wie kommen Sie mit der Verkehrsanbindung von Oldenburg zurecht?
Laubenthal: Persönlich würde ich mir eine schnellere Bahnanbindung vom Rheinland hier hoch wünschen. Es fahren nur ICs, weil es offenbar die Streckenbeschaffenheit nicht hergibt, dass Züge schneller als 170 km/h fahren; man lässt also einige Zeit liegen bis hier hoch nach Oldenburg. Zudem findet man häufig keine direkten Umsteigemöglichkeiten in Bremen. Das könnte effizienter gestaltet werden. Vielleicht wäre auch mehr möglich auf der Strecke von Osnabrück nach Oldenburg. Von dort, wo ich wohne, im Ruhrgebiet, ist man mit dem Auto deutlich schneller.
von Sandrart: Die Pendelei ist kein Charakteristikum von Oldenburg; das gilt für alle unsere Standorte.
Frage: Welche Aufgabe hat die Division aktuell?
Laubenthal: Die 1. Panzerdivision hat derzeit vor allem den Auftrag, die deutschen Kräfte für den Auftrag „Resolute Support“ in Afghanistan zu stellen. Dabei geht es um die Unterstützung einheimischer Kräfte, die Verantwortung für die Sicherheit in ihrem Land zu übernehmen. Als weiterer Auftrag werden in Zukunft Einsätze im Irak hinzukommen. Parallel bauen wir die „schnelle Speerspitze“ für die Nato auf, eine schnelle Einsatzgruppe, die die Bundeswehr ab 2019 führen soll.
Frage: Was heißt das genau?
Laubenthal: Wir im Stab sind verantwortlich für Ausbildung und Ausrüstung dieser Kräfte.
Frage: Die Bundeswehr wirbt intensiv Nachwuchs. Wo fehlen in Ihrem Bereich Leute?
Laubenthal: Insgesamt ist die personelle Situation der Division gut. Was wir spüren, sind Engpässe bei Spezialisten für die Fernmeldetechnik oder im IT-Bereich.
von Sandrart: Aus Berliner Sicht kann ich ergänzen, die Bundeswehr steht personell besser da als vor zehn Jahren erwartet. Schreckensprognosen haben sich nicht bewahrheitet. Die Schritte, die das Ministerium unternommen hat, um im Wettrennen um Nachwuchs mit anderen Bereichen bestehen zu können, wirken. Es zeigt sich, dass die Bundeswehr ein attraktiver Arbeitgeber ist.
Frage: Wie sieht es mit der Ausrüstung aus?
Laubenthal: Für die Vorbereitung von Einsätzen im Ausland benötigen wir vor allem gepanzerte Fahrzeuge. Die haben wir auch, das läuft gut. Bei der „Schneller Speerspitze“ haben wir es mit ganz anderen Größenordnungen zu tun. Wir sprechen von etwa 4000 deutschen Soldaten aus dem Heer sowie weiteren 4000 aus anderen Teilstreitkräften und anderen Nato-Staaten. Das Material müssen wir zum Teil aus Nachbarverbänden holen, damit wir die Kräfte für eine Übergangszeit ausstatten können. Die Probleme sind erkannt, es laufen viele Projekte um gegenzusteuern; wir setzen darauf, dass wir die Dinge bekommen, die wir brauchen.
Frage: Sind die Probleme organisatorisch oder finanziell bedingt?
Laubenthal: Beides. Wir brauchen natürlich mehr Geld für das Mehr an Verantwortung, die Deutschland wahrnimmt. Das gilt für den täglichen Betrieb wie für die Modernität von Großgerät und Fahrzeugen. Dazu kommen die Mechanismen, um dieses Gerät zu beschaffen. Zum Beispiel einen Nachfolger für den Schützenpanzer Puma zu beschaffen, ist kein Projekt über ein oder zwei Jahre; die Entwicklung dauert länger. Aber manches könnte schneller laufen. Es gibt Arbeitsgruppen im Ministerium, um diese Prozesse zu beschleunigen.
Frage: Der Generalinspekteur spricht von einer Fähigkeitenlücke, deren Behebung zehn Jahre dauern kann.
von Sandrart: Die Bundeswehr hat über die vergangenen 20 Jahre einen erheblichen Aderlass bei den Haushaltsmitteln erlebt. Wir haben in den vergangenen Jahren auf Kosten der Substanz gelebt. Wenn über Jahre nicht die Mittel fließen, um sich personell und materiell zu regenerieren, wird irgendwann ein Preis dafür fällig. Die Prozesse, diese Entwicklung umzudrehen, sind angestoßen, müssen weiter verstetigt werden und dauern auch wieder mehrere Jahre.
Frage: Wie sieht es mit Fremdenfeindlichkeit und schlechter Behandlung von Untergebenen in der 1. Panzerdivision aus. Wie oft kommt das vor? Wie reagieren Sie darauf?
Laubenthal: Ich habe im Februar 2017 für meinen Verantwortungsbereich nachgeforscht, wie oft das passiert ist und wie wir mit den Fällen umgegangen sind. Entscheidend ist, dass wir nichts verschleiern oder unter den Teppich kehren.
Frage: Haben die Vorgesetzten angemessen reagiert?
Laubenthal: In 95 Prozent der bekannt gewordenen Fälle war das so. Das gibt mir die Sicherheit, dass in der Führung keine Schwäche vorliegt. Es gibt problematische Einzelfälle, aber ich habe nichts Systemisches festgestellt.
Christoph Kiefer
Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2101

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