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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Chancen mit Flüchtlingen müssen genutzt werden

09.09.2015
Frage: Herr Lehmann, seit einigen Jahren ist die Sicherung des Nachwuchskräftebedarfs für die Unternehmen zu einer zentralen Herausforderung geworden. Wird es um das Thema nun wieder etwas ruhiger?
Lehmann: Das ist keineswegs so. Die Botschaft, dass man sich mehr anstrengen muss bei der Suche nach Nachwuchs, speziell für die klassische duale Berufsausbildung, ist bei den Unternehmen angekommen und dort nachhaltig verankert. Das zeigen auch die vielen Projekte in Betrieben und Institutionen. Ein aktuelles Beispiel ist die Initiative zur Nachvermittlung von Auszubildenden der Allianz für Aus- und Weiterbildung.
Frage: Wird der Pool, aus dem Unternehmen ihren Fachkräftenachwuchs gewinnen, eigentlich jemals wieder größer werden?
Lehmann: Das ist eher nicht zu erwarten – aus mehreren Gründen. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland wird statistisch bis 2030 um etwa sechs Millionen sinken. Hinzu kommt, dass ein wachsender Anteil der einzelnen Jahrgänge statt in eine duale Ausbildung erst einmal ins Studium geht – selbst, wenn dies gar nicht optimal passt, wie die hohen Abbrecherquoten zeigen. Und schließlich zieht es von denen, die sich für eine duale Berufsausbildung entscheiden, zu wenige in den gewerblich-technischen Bereich.
Frage: Diejenigen, die zu einer Berufsausbildung grundsätzlich bereit sind – sind die auch fit dafür?
Lehmann: Bedauerlicherweise längst nicht alle. Wir gehen von 16 bis 18 Prozent eines Jahrgangs aus, die nicht ausbildungsreif sind, wegen der verschiedensten Defizite. Bei diesem Personenkreis sollte effizienter nachgebessert werden als bisher. Ein gutes Instrument kann eine Einstiegsqualifizierung sein, aus der erfahrungsgemäß oft ein erfolgreiches Ausbildungsverhältnis wird.
Frage: Die Wirtschaft hat ja immer kritisiert, dass zu viele Jugendliche nach der Schule weitere Runden in irgendwelchen Maßnahmen drehen. Geht es heutzutage schneller?
Lehmann: Nach wie vor werden viele eher leistungsschwache Jugendliche relativ lange im sogenannten Übergangsbereich betreut. Auch hier muss noch optimiert werden, damit junge Menschen schneller eine Ausbildung beginnen.
Frage: In diesen Wochen wird viel über Flüchtlinge diskutiert. Birgt diese Gruppe Chancen für die Wirtschaft?
Lehmann: Ja, und diese Chancen müssen genutzt werden, zumal wir bei den Flüchtlingsströmen wahrscheinlich erst am Anfang einer langen Bewegung stehen. Wichtig ist, diesen Personenkreis zügig zu betreuen, zu informieren und zu qualifizieren. Bundesagentur für Arbeit, Arbeitgeberverbände und Bundesamt für Migration werben ausdrücklich für die Beschäftigung von Flüchtlingen und stellen dazu auch Info-Material zur Verfügung.
Frage: Mancher Betrieb könnte ja auch leichter Nachwuchs für seine Ausbildungsplätze finden, wenn die Jugendlichen denn davon überhaupt wüssten. Reicht das System der Berufsorientierung?
Lehmann: Es wurde hier zwar einiges verbessert. Dass aber Optimierungsbedarf besteht, zeigt sich schon daran, dass die Jugendlichen sich auf 20 von rund 350 Ausbildungsberufe fokussieren, übrigens zum Nachteil des technischen Bereichs.
Frage: Man merkt, es bleibt viel zu tun. Haben eigentlich Mittelständler gegen große namhafte Konzerne beim Wettbewerb um Jugendliche überhaupt eine Chance?
Lehmann: Ja, auf jeden Fall! Viele kleine und mittlere Betriebe sind örtlich gut verankert und haben ausgeprägte Stärken, auch im zwischenmenschlichen Bereich. Entscheidend ist, dass sich das Unternehmen authentisch darstellt, dass dort eine Kultur gelebt wird, in der Jugendliche sich wohl fühlen, und – selbstverständlich – eine gute Ausbildung.
Frage: Und das müsste dann ja wohl bekannt werden...
Lehmann: Natürlich. Wichtige Botschafter sind im Zeitalter der sozialen Netzwerke die Auszubildenden selbst. Immer öfter sind sie in die Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Ausbildung eingebunden. Sie organisieren oft auch Messeauftritte, wie etwa bei der in Kürze kommenden job4u. Generell sollten Unternehmen jede Möglichkeit nutzen, gute Ausbildungsideen bekannt zu machen. Eine hervorragende Gelegenheit ist aktuell der Preis für Innovative Ausbildung (PIA) der NWZ. In jedem Betrieb gibt es doch gute Ausbildungsideen!
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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