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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Chöre haben hohe Hürden“

03.04.2019

Frage: Herr Kreutz, manche klassische Chöre klagen über Nachwuchsprobleme. Anderseits boomen Veranstaltungen wie Rudelsingen. Woran liegt das?

Kreutz: Es gibt derzeit drei große gesellschaftliche Trends: den demografischen Wandel, die Migration und die Verstädterung. Sie alle haben Auswirkungen auf mikrosoziale Phänomene. So hat man früher in der Dorfgemeinschaft aufeinander aufgepasst, heute macht man das über Apps. Früher ging man gemeinsam tanzen, heute zeigt man sich im Fitnessstudio. Die Menschen suchen nach „Instant Pleasure“, also nach Spaß, der total unverbindlich ist. Für diese Gruppe stellt das Eintreten in einen Chor eine hohe Hürde dar.

Frage: Die Menschen suchen sich also Angebote, bei denen sie unverbindlich singen können?

Kreutz: Genau. Standardchöre haben es da schwer, Projektchöre auf der anderen Seite haben einen großen Zulauf. Außerdem sprechen feste Chöre oftmals ein gewisses Klientel an. Hier singt die Mittelschicht, es kommen viele Akademiker. Andere Schichten sind unterrepräsentiert. Die erreicht man mit Angeboten, die dort stattfinden, wo die Menschen sind, zum Beispiel in der Kneipe.

Frage: Also schlechte Zeiten für klassische Chöre?

Kreutz: Nicht unbedingt. Aber es ist ein Markt mit Angebot und Nachfrage. Gefragt sind Chorleiter, die in die Gruppe hineinhören und auf die Rückmeldungen reagieren. Solche Chöre haben Zulauf. Musikstile wie Pop und Gospel haben die letzten Generationen geprägt. So etwas funktioniert zum Beispiel.

Frage: Was würden Sie Chören raten?

Kreutz: Früher wurden viele Menschen durch den Schulchor geprägt. Doch heute fällt der Musikunterricht oft aus, oder er wird fachfremd unterrichtet. Das heißt, viele Chorangebote erreichen die Kinder gar nicht mehr. Dort sollten Chöre ansetzen und zum Beispiel schon in die Kindergärten gehen. Kinder sind ja an sich unheimlich empfänglich fürs Singen. Wenn man es schafft, das Liedgut in die Kehlen der Kinder zu bekommen, zum Beispiel durch generationenübergreifendes Singen, dann bilden sich später auch Kinderchöre als Nachwuchs für die Großen. Davon profitieren auch Schulen und Kindergärten. Denn Singen ist gut für die Sprachentwicklung und das allgemeine Wohlbefinden. Es scheint so zu sein, dass Kinder in Chorklassen besonders gut integriert sind. Das Singen verbindet mindestens so gut wie der Sport.

Patrick Buck stv. Redaktionsleiter / Redaktion Oldenburg
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