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Darf nicht um Emotionen gehen

29.03.2017
Frage: Führt der Brexit am Ende zum Auseinanderfallen des Vereinigten Königreichs?

McAllister: Die Frage, ob es ein weiteres Referendum geben kann und, wenn ja, unter welchen Umständen, müssen einzig und allein die Regierungen in Edinburgh und London miteinander klären. Das ist eine innerbritische Angelegenheit, in die wir uns nicht einmischen sollten. Klar ist aber, dass die britische Regierungschefin Theresa May eine neue Abstimmung nur für die Zeit der laufenden Brexit-Verhandlungen ausgeschlossen hat.

Frage: Drohen denn in der EU schwere Verwerfungen, wenn es zu einem harten Brexit kommt?

McAllister: Großbritannien hat angekündigt, dass es nicht nur die EU, sondern auch den europäischen Binnenmarkt und die Zollunion verlassen möchte. Das ist ein harter Brexit. Entscheidend ist, dass es ein ordentlicher Brexit wird. Dieses Ziel eint beide Seiten. Wir wollen, dass diese Verhandlungen verantwortungsvoll über die Bühne gehen. Es darf nicht um Emotionen gehen.

Frage: Welche Folgen drohen in einem Worst-case-Szenario der Wirtschaft in Deutschland und Europa?

McAllister: Wir müssen unterscheiden zwischen den Brexit-Verhandlungen und den Gesprächen über ein Abkommen, das die künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien regelt. Dieses neue Abkommen wird sicher nicht innerhalb der Zwei-Jahres-Frist abgeschlossen werden können. Wir brauchen deshalb vernünftige Übergangsregelungen, um die Auswirkungen auf die Mitgliedstaaten und die Unternehmen so sanft wie möglich zu halten. Ein Brexit ohne jede Übergangsregelung hätte erhebliche Folgen für die Wirtschaft in Deutschland und Europa.

Frage: Die EU will London eine Rechnung über 60 Milliarden Euro präsentieren. Wird das die Verhandlungen belasten?

McAllister: Das wird ein ganz wesentlicher Punkt. In London gibt es Politiker, die der Meinung sind, der Brexit sei zum Nulltarif zu haben. In Brüssel geht man davon aus, dass es ein hoher zweistelliger Milliardenbetrag werden könnte – bis zu 60 Milliarden Euro. Es ist klar, dass das Vereinigte Königreich allen eingegangenen Verpflichtungen nachkommen muss. Es ist wie immer im Leben: Bei einer Scheidung geht es natürlich auch ums Geld.

Rasmus Buchsteiner Korrespondentenbüro Berlin
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