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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Interview: Das schönste Hobby der Welt

11.08.2016
Frage: Sie sind in Lingen im Emsland geboren und aufgewachsen, vermutlich mit der plattdeutschen Sprache. Können Sie sich noch an Ihre Anfänge bei der August-Hinrichs-Bühne erinnern?

Dust: Plattdeutsch habe ich erst bei der Bühne gelernt. Ich hatte in der Nordwest-Zeitung gelesen, dass die August-Hinrichs-Bühne Nachwuchssorgen hat. Das war 1974. Ich kannte die Bühne aus dem Fernsehen. Das fand ich faszinierend, und ich bin da als Hochdeutscher einfach hingegangen.

Frage: Wie ist es Ihnen als blutiger Anfänger ergangen?

Dust: Ich gehörte zunächst zur „Anwasskoppel“, so nannte Heinrich Diers, Baas des Ollnborger Kring, den Nachwuchs, den der damalige Bühnenleiter Günter Kühn unter seine Fittiche genommen hatte. Meine erste große Rolle hatte ich dann 1979 in „För de Katt“ zum 100. Geburtstag von August Hinrichs. Die Inszenierung, Premiere war im Großen Haus, wurde sogar im Fernsehen gezeigt. Ich war als junger Spöök schon ein bisschen stolz, dass ich in dem Stück mitspielen durfte.

Frage: Bereits 1979 wurden Sie in den Vorstand der Bühne gewählt. Können Sie nicht nein sagen?

Dust: Das ist bei mir so. Wenn ich mir vorstellen kann, eine Aufgabe zu übernehmen, dann mach ich das auch – bis zum letzten Tag und hoffentlich zur Zufriedenheit aller.

Frage: Wenn man das hört, kommt Ihr Rücktritt als Bühnenleiter doch überraschend.

Dust: Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man überlegt, dass die August-Hinrichs-Bühne andere Impulse und andere, auch jüngere Personen braucht. Die Bühnenmitglieder wissen seit zwei Jahren, dass ich als Bühnenleiter aufhöre. Satzungsgemäß wäre der Wechsel erst 2017 dran. Aber ich möchte gern selbst entscheiden, wann ich gehe.

Frage: Kehren Sie der Bühne denn ganz den Rücken?

Dust: Ich bleibe selbstverständlich aktives Mitglied der Bühne. Theater spielen ist und bleibt für mich das schönste Hobby der Welt, ich orientiere mich nur anders. Das darf man mit fast 70 Jahren schon mal.

Frage: Unter Ihrer Leitung hat sich an der Bühne viel getan. Was waren für Sie die Höhepunkte?

Dust: Zum einen fallen mir die vielen guten Inszenierungen ein, wie zum Beispiel Horvaths Geschichten aus dem Wienerwald 1997 im Schloss oder 2014 „Emmas Glück“. Beim Gedanken an „As in’n Heven“ bekomme ich immer noch eine Gänsehaut. Und „Männerhort“ ist der Renner schlechthin. Die Bühne ist mehrfach mit dem Willy-Beutz-Schauspielpreis ausgezeichnet worden, 1999 für „Rose Bernd“, 2007 für „Gesche Gottfried“, 2012 für „Goot gegen Nordwind“, und 2016 haben wir den zweiten Preis für das Jugendstück „Nix as weg – Raus aus Amal“ bekommen.

Frage: Das Jugendstück ist ein gutes Stichwort. Die Nachwuchsförderung liegt Ihnen sehr am Herzen. Warum?

Dust: Ohne Nachwuchs kein Fortbestand, so einfach ist das. Mit den Platt’n Studios für Kinder, Jugendliche und Erwachsene als feste Einrichtung und den Sprachpaten der AHB ist der Nachwuchs für die August-Hinrichs-Bühne gesichert. Wir haben derzeit großen Zulauf. Und ein bisschen stolz bin ich auch darauf, dass es gelungen ist, das niederdeutsche Kinder- und Jugendtheater im Spielraum des Staatstheaters zu etablieren.

Frage: Während der Intendanz von Markus Müller wurde 2006 am Staatstheater die Sparte Niederdeutsches Schauspiel mit der August-Hinrichs-Bühne als Herzstück eingerichtet. Wie fällt ihre Bilanz nach zehn Jahren aus?

Dust: Es war eine richtige Entscheidung. Das hat uns künstlerisch weitergebracht. Die Bühne erfährt heute eine ganz andere Anerkennung. Die feste Dramaturgie-Stelle und die leitende Regie haben zu einer Professionalisierung unserer Amateurbühne geführt.

Frage: 1995 haben Sie die Nachfolge von Günter Kühn als Bühnenleiter angetreten. Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin?

Dust: Mit Ratschlägen halte ich mich zurück. Aber ich wünsche dem neuen Vorstand bei der Auswahl der Stücke eine glückliche Hand. Die Spielplangestaltung ist nicht immer einfach. Ich wünsche mir, dass die August-Hinrichs-Bühne weiter mit Geschichten begeistern und schöne Theaterabende bereiten kann.

Herwig Dustwurde 1947 in Lingen im Emsland geboren. Seit 1976 ist er Mitglied der Oldenburger August-Hinrichs-Bühne und seit 1995 Bühnenleiter. Außerdem ist er seit 1995 Vizepräsident und seit 1999 Leiter der Geschäftsstelle des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen-Bremen.

In der neuen Spielzeitsteht Herwig Dust in der niederdeutschen Erstaufführung der Geiselfarce „Meier Müller Schulz oder nienich wedder eensam“ auf der Bühne. Regie führt Marc Becker, der das Stück auch geschrieben hat. Premiere ist am 12. Februar 2017 im Kleinen Haus.


     www.staatstheater.de 
Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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