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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Das war eine Heldentat

28.11.2016
Frage: Sie würdigen Kubas Revolutionsführer Fidel Castro als „eine herausragende Persönlichkeit“. Was war Castros große Leistung?
Gysi: Seine große Leistung war, dass er mit ganz wenigen Frauen und Männern losgezogen ist, um das diktatorische Regime von Batista zu überwinden. Da hing sein Leben an weniger als einem seidenen Faden. Das hat Castro auf sich genommen, und er hat es auch geschafft. Und dann führte er vor der Küste der USA erfolgreich eine Revolution durch. Das war eine Heldentat. Er hat auch versucht, eine andere Gesellschaftsform aufzubauen, und zwar nicht nach sowjetischem Vorbild. Später ließ er aber doch dieselben diktatorischen Fehlkonstruktionen in Kuba zu, wie man sie aus der Sowjetunion und osteuropäischen Ländern kannte.
Frage: Er hat Dissidenten eingesperrt, die Bevölkerung unterdrückt. Ist Castro selbst ein Verbrecher geworden?
Gysi: Ich will sein diktatorisches Regime nicht rechtfertigen, aber mit einem Umstand entschuldigen: Die USA hatten damals sofort eine Blockade verhängt, allen US-Unternehmen Strafen angedroht, sollten sie weiter mit Kuba handeln. Und Washington hat einen Putschversuch der Exil-Kubaner gegen Castro unterstützt. Castro wusste also, dass er einen Verbündeten brauchte, und das war die Sowjetunion. Die bestand darauf, dass Castro die kubanische Gesellschaft nach ihrem Vorbild gestaltete. Er brauchte Moskau für die Energieversorgung und die Sicherheit. Die Blockade der USA war deswegen ein schwerer Fehler.
Frage: Sie haben Castro 1991 getroffen: Was war er für ein Mensch?
Gysi: Er hat während unseres Gesprächs nicht einmal gelacht. Er wirkte traurig, war sehr leise, ließ mich fast die ganze Zeit reden. Castro wollte damals auch ganz genau wissen, warum die DDR zusammengebrochen war, das konnte er sich nicht vorstellen. Nach dem Kollaps der Sowjetunion wusste Castro nicht mehr, wie es mit Kuba weitergehen sollte, die Energiefrage gehörte zu seinen drängendsten. Immerhin hat er sich dann später aus eigenen Stücken von der Macht verabschiedet. Das war höchst ungewöhnlich. Ich kenne keinen anderen Diktator, der selbst die Macht abgegeben hat. Erich Honecker wäre auch nicht aus freien Stücken gegangen. Selbst in Demokratien ist es sehr ungewöhnlich, denken Sie an Helmut Kohl.
Tobias Schmidt Korrespondentenbüro Berlin
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