Mindestens 23 Kinder sollen auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen über Jahre sexuell missbraucht worden sein. Warum sind hier die Behörden angesichts der Hinweise und Warnungen nicht eingeschritten?

Rörig Sexueller Missbrauch ist grundsätzlich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Jugendämtern und Ermittlungsbehörden oft nur sehr schwer zu erkennen. Das ist eine andere Situation als wenn es um andere schreckliche Misshandlungen wie zum Beispiel Schläge oder Tritte geht. Kinder werden von den Tätern unter enormen Druck gesetzt werden, zu schweigen. Da wird mit Gewalt gedroht und eingeschüchtert.

Aber es hat immer wieder Hinweise gegeben und sogar Anzeigen. Dennoch ist nichts passiert. Wie kann es zu einem solchen Behördenversagen kommen?

RörigWir müssen jetzt abwarten, was die weiteren Ermittlungen des Falls ergeben. Möglicherweise hat die Zusammenarbeit der Behörden hier nicht gut funktioniert. Der zuständige Minister Joachim Stamp sollte hier eine Aufklärungsgruppe, mit Experten einsetzen. Da kann er nach Baden-Württemberg schauen. Dort ist eine Kinderschutzkommission als Folge des Missbrauchsfall Staufen gebildet worden.

Am Ende wird die Verantwortung einmal mehr nur hin- und hergeschoben, und es gibt keine Konsequenzen…

RörigDas darf keinesfalls sein. Es muss deutlich mehr in den Bereich der Ermittlungen von BKA und der Landeskriminalämter, aber auch in die Kinder- und Jugendhilfe investiert werden. In diesen Bereichen ist in den letzten Jahrzehnten viel Geld gespart worden. Viele Mitarbeiter sind überlastet, sind für viel zu viele Fälle zuständig. Wir können nicht ausschließen, dass es noch weitere ähnliche Fälle wie den jetzt in Nordrhein-Westfalen gibt.

Die Ermittler haben riesige Datenmengen mit Kinderpornographie sichergestellt. Wie kann man diese Verbrechen besser bekämpfen?

RörigWir müssen in Deutschland möglichst schnell eine mit EU-Recht konforme Vorratsdatenspeicherung einführen. Datenschutz darf nicht über Kinderschutz stehen. Wir brauchen eine gesetzliche Meldepflicht für die Internetservice-Provider. Wenn sich in deren Anwendungen Hinweise auf Missbrauch finden, muss das etwa ans Bundeskriminalamt gemeldet werden.

Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.