NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Holz: „Der Wald ist das schönste Investment der Welt“

21.03.2014
Frage: Die Bedeutung von Holz wächst. Welche Auswirkungen hat das auf die Wald- und Forstwirtschaft?

Zu Guttenberg: Die zunehmende Bedeutung von Wald und Holz zeigt: Unsere Branche wird jeden Tag systemrelevanter. Nachhaltigkeit, made in Germany, made im Wald ist heute ein weltweites Vorbild für modernes Handeln und Wirtschaften, nicht nur in der Forstwirtschaft. Allein in Deutschland beschäftigt die Holzbranche – deren Fundament die Waldeigentümer sind – mehr als 1,2 Millionen Menschen. Wir sind Jobmotor vor allem im ländlichen Raum und mit rund 180 Milliarden Euro Umsatz schon heute einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in Deutschland. 180 Milliarden Euro pro Jahr: Das ist doppelt so viel wie der Umsatz der gesamten Automobilindustrie.

Frage: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Holzpreise? Wird auch die Anzahl der bewirtschafteten Flächen zunehmen?

Zu Guttenberg: Die Holzpreise befinden sich derzeit auf einem stabilen Niveau. Das dürfte aufgrund der zunehmenden Holznachfrage so bleiben. Auch vor diesem Hintergrund ist die von Teilen der Politik und der Naturschutzindustrie gewollte Stilllegung von Wald in Deutschland absurd. Dies führte im Ergebnis nicht nur zu einer Reduzierung der bewirtschaftbaren Flächen bei uns, sondern auch zu mehr Raubbau von Regenwald in anderen Teilen der Erde. Ein künstlicher Verzicht auf die nachhaltige Nutzung unseres heimischen, nachwachsenden Biorohstoffes Holz hat zur Folge, dass immer mehr Holz aus Regionen stammen wird, die nicht nach so strengen Nachhaltigkeitsregeln handeln und wirtschaften wie wir in Deutschland seit Generationen.

Frage: Wie hat sich die Nachfrage nach Holz aus Deutschland entwickelt?

Zu Guttenberg: Die Nachfrage nach heimischem Holz nimmt zu. Bis 2020 wird in Deutschland mit einem jährlichen Versorgungsdefizit von rund 30 Millionen Festmeter Holz gerechnet, für Europa ist bis 2030 eine Versorgungslücke von über 400 Millionen m3 prognostiziert.

Frage: Umweltschützer kritisieren den hohen Anteil an schnellwachsenden Nadelbäumen in Wäldern. Stehen für die Waldbesitzer Wirtschafts- vor Umweltaspekten?

Zu Guttenberg: Unsere Antwort ist die moderne, nachhaltige und integrative Waldbewirtschaftung. So erfüllen wir die vielfältigen Anforderungen an das Ökosystem Wald am besten. Wie eine aktuelle Studie des Bundesumweltministeriums erneut bestätigt, ist unser Wald ökologisch der einzige Lebensraum mit einer signifikant positiven Entwicklung seit Jahrzehnten.

Frage: Die Bundesregierung plant, bis 2020 fünf Prozent aller Waldflächen als Waldnaturerbe unbewirtschaftet zu lassen. Unterstützen sie dies?

Zu Guttenberg: Nein. Ich finde es bedenklich, bei weltweit steigender Nachfrage nach Holz weitere Waldflächen bei uns sich selbst zu überlassen. Zum einen sind bereits heute rund 70 Prozent unserer Wälder einer Schutzkategorie unterworfen. Zum anderen verbreiten sich gerade auf aus der Nutzung genommenen Flächen Schädlinge, die dann aber nicht dort bleiben, sondern sich auch weiter verbreiten. Sehr gerne lade ich die gesamte Bundesregierung einmal in einen Wald ein, um den Politikern dort zu verdeutlichen, was sie mit diesem Vorhaben anrichten würden.

Frage: Holz nimmt im Energiemix der Zukunft eine große Rolle ein. Halten Sie diese Entwicklung für bedenklich?

Zu Guttenberg: Nein, im Gegenteil: Holz ist ein heimischer, nachwachsender nachhaltiger Biorohstoff und im Gegensatz zu Sonne und Wind grundlasttauglich. Etwa 70 Prozent der erneuerbaren Energie wird heute aus Biomasse gewonnen. Die Hälfte davon ist feste Biomasse, also Holz. Ich bin überzeugt: Ohne Holz wird eine rasche Energiewende nicht gelingen.

Frage: Auch Kapitalanleger haben Holz bzw. den Wald entdeckt. Eignet sich beides überhaupt für diesen Zweck?

Zu Guttenberg: Ich persönlich kann mir kein schöneres Investment als Wald vorstellen. Bei uns Waldbesitzern steht die Nachhaltigkeit, der gelebte Generationenvertrag und nicht der Profit im Vordergrund. Jeder Investmentbanker schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, wenn er hört, dass ein Baum zunächst 100 Jahre oder mehr wachsen muss und eine durchschnittliche Rendite von „nur“ 1 bis 2 Prozent erzielt. Man sollte den Wald und ein Investment in den Wald daher ganzheitlich betrachten, vor allem als eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft und unserer Kinder. Deshalb ist der Wald für mich das schönste Investment der Welt und im Übrigen das einzige, in dem man sogar seine Seele baumeln lassen kann.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Frage: Vor Jahren war in Deutschland vom Waldsterben die Rede. Wie geht es dem deutschen Wald heute?

Zu Guttenberg: Der diesen Monat in Berlin vorgestellte Waldzustandsbericht ist nun wirklich kein Grund zum Jubeln: 62 Prozent unserer Bäume sind nach wie vor durch äußere Einwirkungen geschädigt. Extreme Wetterverhältnisse, Insekten und Krankheitserreger aber auch saure Böden schaden vermehrt unsern Bäumen. Für die Genesung unserer Wälder benötigen wir dringend die Unterstützung der Politik. Das gilt vor allem im Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen. Denn der Klimawandel ist die zentrale Herausforderung auch für unser Ökosystem Wald. Vor diesem Hintergrund brauchen wir mehr Geld für Forschung, Entwicklung, Bodenschutz, waldbauliche Maßnahmen sowie stärkere Hilfe, vor allem bei Sturmschäden und Unwetterkatastrophen. Ganz konkret: Wie zwischen Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart, muss der Waldklimafonds besser ausgestattet werden.

Martin Thaler Volontär / NWZ-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2003
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.