Die Bundesregierung wird in Kürze das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) reformieren. Wie lautet dazu Ihr guter Rat?

KemfertDie „EEG-Reform“ droht zu einer einseitigen Erneuerbare-Energien-Ausbaubremse zu werden, um in erster Linie den Kritikern der Energiewende entgegenzukommen. Anstelle einseitig die Öko-Energien als Sündenbock für unverhältnismäßige Strompreissteigerungen zu stigmatisieren und Vergütungssätze für Öko-Energien zu vermindern und den Ausbau zu drosseln, wäre ein Gesamtpaket notwendig, welches wirklich geeignet wäre, den Strompreis zu senken: Die Industrieausnahmen müssen vermindert werden, der Strompreis an der Börse stabilisiert werden – alte, überflüssige Kohlekraftwerke können in den Regionen, wo der Überschuss besonders hoch ist, dauerhaft abgeschaltet werden. Und die richtigen Investitionsanreize müssen für Gas- und Speichertechnologien geschaffen werden.

Droht auch für den Nordwesten ein Ende der Erfolgsstory?

KemfertDurchaus, denn die Windenergie an Land, aber vor allem die Offshore-Windenergie haben einen besonderen Stellenwert. Der in der EEG-Reform eingeführte Ausbaukorridor kann diese Entwicklung hemmen, da man in nahezu allen Bundesländern einen Ausbau der Windenergie benötigt und der Deckel dazu führen kann, dass der Ausbau nicht wie geplant vonstatten gehen kann.

Was kostet die Energiewende und inwieweit belastet sie die Bürger?

KemfertEine klug gemachte Energiewende kann die Bürger entlasten, indem viel mehr als bisher auf das konsequente Energiesparen gesetzt wird. Denn die größten Energiekosten entstehen bei den Haushalten im Bereich der Gebäudeenergie und bei der Mobilität. Heizkosten- und Benzinpreise sind viel wichtiger als Strompreise. Haushalte zahlen etwa drei Prozent ihrer Ausgaben für Strom, aber bis zu 30 Prozent für Heizen und Mobilität. Daher ist es so wichtig, die Energiekosten in diesen Bereichen konsequent zu senken. Die Ausgaben für den Umbau des Energiesystems sind Investitionen, die wiederum Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen. Die Energiewende sollte uns das Geld wert sein.

Wie lautet Ihre persönliche Prognose für ein Gelingen des „Projekts Energiewende“?

KemfertIm Moment leidet die Energiewende darunter, dass sie von Widersachern permanent schlechtgeredet wird, sie hat ein massives Image-Problem. Niemand redet über die Vorteile, die man durchaus immer noch verzeichnen kann. Zudem scheinen Tagespolitik und Energiewende nur schwer zueinander zu passen, da die Energiepolitik langfristige Entscheidungen benötigt, welche nicht durch kurzfristige Spontan- Reaktionen wieder infrage gestellt werden. Somit ist die Diagnose für das Projekt Energiewende: besser als ihr Ruf, aber gefährdet.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)