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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Diplomatie: Vereinigung nach deutscher Art scheint unmöglich

28.02.2019
Frage: Dr. Goodyear, Nordkorea gilt nicht gerade als Touristenziel. Wie kam es, dass Sie einen tieferen Einblick in das Land gewinnen konnten?

Goodyear: Zwei Dokumentarfilme der BBC über Nordkorea waren es, die bei mir eine Faszination für Land und Leute auslöste. Zu der Zeit, als ich Germanistik in Großbritannien studierte, erkannte ich Parallelen zwischen der Nord-Süd-Teilung auf der koreanischen Halbinsel und der deutschen Ost-West-Teilung. Da ich zu jung bin, um die deutsche Teilung hautnah erlebt zu haben, entschied ich mich im Februar 2005 dafür, das von George W. Bush als „Achse des Bösen“ bezeichnete Land zu besuchen: Nordkorea. Besucht man das Land als Tourist, wird man nur oberflächliche Einblicke gewinnen, denn die Geschichte wird audio-visuell präsentiert: Eine gedolmetschte Erzählung vor einem Denkmal, das ein bestimmtes Ereignis der nordkoreanischen Geschichte darstellt. Nur wenig betrachtet bei solchen Erzählungen wird das alltägliche Leben.

Frage: Wie haben Sie das Land erlebt?

Goodyear: In der Zeit um und nach meiner Reise hielt ich Kontakt zu einem Mitglied des Pressebüros der lokalen Kommunistischen Partei in Handan, der Stadt in China, wo ich als Englischlehrer gearbeitet habe. Er gab mir noch tiefere Einblicke in das alltägliche Leben, das er – als chinesischer Staatsbürger – kennt, als er in den 1980ern das Land durchreiste.

Frage: Gab es direkte Kontakte zu Einheimischen?

Goodyear: Hier muss man zwischen offiziellen Begegnungen und zufälligen auf der Straße unterscheiden. Die Reise ist sehr fein getaktet und Begegnungen sind durchgeplant – von den Museumsführer bis zu Hotelmitarbeitern. Offizielle waren ruhig, gelassen und ordentlich gekleidet; etwas distanziert und vorsichtig, vor allem mit Unerwartetem. Die nicht geplanten Begegnungen waren für mich ein Höhepunkt. In der U-Bahn durfte ich mit einer Schülergruppe sprechen. Auf Englisch unterhielt ich mich mit vier Mädels, alle in Schuluniform gekleidet. Sie waren lustig, neugierig und wollten ihre Englischsprachkenntnisse üben. Was das Land anbelangt, war es wie kein anderes, vor allem die ungewöhnliche Stille der Straßen in der Hauptstadt Pjöngjang: weniger Autos, weniger Menschen, weniger Verkehr. Pjöngjang stellt also das Gegenbeispiel der Weltstädte London, New York oder Shanghai dar.

Frage: Ist die politische Lage von Nord- und Südkorea vergleichbar mit der innerdeutschen Teilung?

Goodyear: Die deutsche Teilung bis 1989 und die koreanische haben gewisse Ähnlichkeiten: Zwei antagonistische Systeme, Weltsichten und ökonomische Modelle laufen auseinander. Sie sind seit dem Waffenstillstand am Ende des Koreakrieges 1953 weit auseinandergedriftet.

Frage: Und ist für Sie überhaupt noch eine Wiedervereinigung denkbar?

Goodyear: Nicht nach deutschem Vorbild. Denkbar ist eher ein allmähliches Zusammenkommen der beiden Völker mit Familientreffen und Schulaustausch oder mit dem Land als gemeinsames Team bei den Olympischen Spielen. Ein Prozess über mehrere Jahre also statt eines dramatischen Systemwechsels.

Frage: Was erwarten Sie vom aktuellen Gipfel zwischen Kim und Trump?

Goodyear: Das zweite Treffen dient dem Zweck der Annäherung, obwohl die genauen Ziele unklar sind – wie auch die Ziele des ersten Treffens in Singapur. Neben herzlichen Worten und Fotos wäre die Festlegung konkreter Schritte für die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel als Erfolg zu bezeichnen. Dies ist aber sehr unwahrscheinlich, denn es scheint mehr darum zu gehen, die persönliche Beziehung zwischen Trump und Kim auszubauen. Statt über Twitter oder staatlich kontrollierte Medien harte Worte auszutauschen, ist das Treffen ein Schritt in die richtige Richtung.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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