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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Durch Kaufverhalten zum Schutz des Meeres beitragen

08.06.2015
Frage: Herr Professor Zielinski, an diesem Montag ist der Tag des Meeres – wird dieser Tag aus Ihrer Sicht in der Bevölkerung ausreichend wahrgenommen und gewürdigt?

Zielinski: Der Tag des Meeres wird seit über 20 Jahren am 8. Juni begangen, um weltweit Aufmerksamkeit für aktuelle Herausforderungen im Umgang mit den Ozeanen zu erlangen. Inwieweit dieser spezielle Tag in der Bevölkerung wahrgenommen wird, ist sicher auch von der medialen Präsenz dieses Tages beeinflusst. Den Menschen an der Küste ist die Bedeutung des Meeres schon immer bewusst. In unserer Gesellschaft wird das Meer jedoch zunehmend als Ressource sowie als Wirtschaftsgut betrachtet und weniger als komplexes und empfindliches Ökosystem, von dem auch wir Menschen abhängig sind.

Frage: Kommen wir mal auf „unser“ Meer, die Nordsee, zu sprechen. Wie bewerten Sie die Güte, worin sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf?

Zielinski: Obwohl die Einträge von Nährstoffen seit Mitte der 80er Jahre reduziert wurden, sind gerade die Einträge über die Flüsse noch zu hoch und führen zu größeren Algenvorkommen und damit zu Schaumalgenteppichen, giftigen Algenblüten und Sauerstoffmangel. Die Veränderungen der Artenvielfalt aufgrund einer globalen Erwärmung und der Einwanderung von fremden Organismen stellt eine weitere Herausforderung dar. Unklar sind auch die ökologischen Wirkungen der großen Windparks, die vor unserer Küste entstehen. Da wir in der südlichen Nordsee eine sehr hohe Anzahl von Nutzungsinteressen auf geringem Raum haben, müssen wir unser Meer vor der Haustür besser verstehen lernen und entsprechend auch damit umgehen.

Frage: Ein ganz aktuelles Problem ist, dass Mikroplastik Flüsse, Seen und das Meer massiv verunreinigt, hier ist eine politische Lösung ist nicht in Sicht. Haben Sie einen Vorschlag, wie man das Thema angehen, was der Verbraucher konkret tun könnte?

Zielinski: Wir selber können als Konsumenten durch unser Kaufverhalten Änderungen hervorrufen. Viele Alltagsprodukte enthalten Mikroplastikpartikel, zum Beispiel Zahnpasta, Duschgel, Kosmetikprodukte oder Fleece-Jacken. Es gibt mittlerweile auch Listen und Apps, die uns Verbrauchern helfen, diese Produkte zu erkennen.

Prof. Dr. Oliver Zielinski ist stellvertretender Direktor des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg. Der 44-Jährige entwickelt zudem neue Messverfahren, um Plastikmüll im Meer aufzuspüren.


  www.icbm.de/marine-sensorsysteme 
Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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