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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Ehrenmorde“ im Islam nicht akzeptiert

23.11.2012
Frage: In Osnabrück wurde am Donnerstag der Prozess um eine 22-jährige Türkin fortgesetzt, die von der Familie umgebracht worden sein soll. Dabei wird oft von „Ehrenmord“ gesprochen. Wo ist der Unterschied zu einer Familientragödie?
Ceylan: Der Ehrenmord ist ein kulturelles Phänomen, das im Südosten der Türkei, in Nordafrika oder in Ex-Jugoslawien anzutreffen ist und eine jahrhundertelange Tradition hat. In der Regel ist das ein ländliches Phänomen, das in Stammesgesellschaften vorkommt. Ehrenmord wird in manchen Gegenden dort akzeptiert, wenn gegen den Ehrenkodex verstoßen wird. Dieser wird in der Regel über die Frauen und Töchter definiert – es geht dabei etwa um keusches und sittliches Verhalten. Die Definition ist patriarchalisch dominiert. Das heißt aber nicht, dass sich Frauen nicht auch zu Täterinnen machen können, wenn etwa Mütter dieses System unterstützen. Der Mensch wird nicht als Individuum, sondern als ein Teil der Gemeinschaft gesehen. Und die Opfer können auch Männer sein – Söhne werden in vielen Fällen vom Vater zu einem solchen Mord gezwungen.
Frage: Das heißt, es handelt sich beim Ehrenmord ausschließlich um ein kulturelles, kein religiöses Problem?
Ceylan: In jedem Fall. Die Jesiden beispielsweise sind keine Muslime und auch bei ihnen kommt es zu Ehrenmorden. Und wenn man in die Geschichte blickt, findet man auch in Europa Fälle, in denen eine „unkeusche“ Tochter auf diese Art bestraft wurde. Man muss immer wieder klarstellen: es gibt keinen Hinweis in der islamischen Theologie, der Ehrenmorde rechtfertigen würde.
Frage: Werden diese Konflikte hier in der „Fremde“ verstärkt?
Ceylan: Nein, Ehrenmorde sind auch in der Türkei ein großes Konfliktthema. Gewisse kulturelle Stammes-Traditionen werden einfach aufrecht erhalten. Es handelt sich in Deutschland um die Menschen, die nicht hier sozialisiert wurden, also die erste und auch zweite Generation.
Frage: Können Sie sich Lösungsansätze für dieses Problem vorstellen?
Ceylan: Wir müssen in der Schule über diese Themen sprechen. Im Religionsunterricht könnte ein Bewusstsein dafür geschaffen werden. Man darf auf keinen Fall Muslime unter Generalverdacht stellen – es handelt sich immer noch um absolute Einzelfälle.

Prof. Dr. Rauf Ceylanist Professor für Religionswissenschaft am Institut für Islamische Religionspädagogik der Universität Osnabrück. Seit 2011 ist er Mitglied des Institutes für Migrationsforschung und interkulturelle Studien.


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