Warum gab es bisher keinen Film über Hannah Arendt?
Von TrottaJa, das wundert mich auch. Allerdings gibt es über die wenigsten Philosophen Filme, und dann ist sie auch noch eine Frau. Viele schrecken zurück, weil es nicht nach einem Kassenschlager klingt. Und es sind Themen, in die man sich unglaublich intensiv einarbeiten muss. Mit „schnell schnell“ kommt man nicht weiter.
Das hat Sie wiederum nicht abgeschreckt.
Von TrottaMir macht das ja auch Spaß. Ich liebe es, die ewige Studentin zu sein. Mit jedem Film lerne ich, und es kommt noch etwas dazu. Am Anfang wollten wir einen Film über ihr Leben machen, nach und nach kam der Prozess in den Vordergrund. Eichmann ist ja auch für Deutschland etwas ganz anderes. Den zu sehen, das nimmt einen einfach mit. Seine ganze grauenhafte Mittelmäßigkeit. Wer die Bilder sieht, kommt eigentlich zum selben Ergebnis wie Hannah. Wie sie muss man einfach über ihn lachen, wenn er sagt „Ich werd’ hier gegrillt wie ein Rumpsteak“.
Die Reaktionen auf Arendts Artikel im „New Yorker“ über den Eichmann-Prozess waren bitter. Arendt wurde aufs Heftigste kritisiert und geschnitten.
Von TrottaMan kann sich gar nicht vorstellen, wie scharf sie von allen Seiten angegriffen wurde. Das möchte ich nicht durchmachen. Sie hat das nicht kommen sehen. Arendt hatte einen intellektuellen Diskurs erwartet und nicht diese persönliche Betroffenheit. Sie war schockiert, dass ihr Ton so missverstanden wurde.
Arendts Mann Heinrich Blücher stand ihr immer zur Seite?
Von TrottaAbsolut. Er war der wichtigste Mann in ihrem Leben. Deshalb haben wir die Liebesgeschichte mit Martin Heidegger auch nur angekratzt. Blücher war der Lebensgefährte, der immer zu ihr hielt.
Woher kommen die engen Beschreibungen der Verbundenheit?
Von TrottaWir haben in New York fünf bis sechs Mal die echte Lotte Köhler (Arendt-Freundin) getroffen, die bei unseren Treffen gut 90 Jahre alt war. Sie wurde mit jedem Mal offener und erzählte viel Privates. Zum Beispiel, dass Blücher durchaus ein Womanizer war und Affären hatte. Er war aber auch sehr inspirierend für Hannahs Arbeit. Durch seinen Einfluss wurde sie zur politischen Denkerin.
