Was schätzen Sie als Schwabe ausgerechnet am Leben und Arbeiten in Ostfriesland?
KleinZum Schreiben ist das einfach die beste Gegend der Welt. Große Flächen, der unglaubliche ostfriesische Himmel, es ist nicht so kleinteilig und eng.
Diese offene und freie Szenerie schlägt sich meiner Erfahrung nach wohl auch in der Mentalität der Menschen nieder.
Aber für Ihre zwei Kinder war der Sprung nach 15 Jahren aus der Großstadt Berlin in den äußersten Nordwesten, der Heimat Ihrer Frau, doch sicher hart?
KleinAuf dem Land ist zwar vieles einfacher, doch für die Kinder war es anfangs schwierig. Sie wurden zunächst wie Fremde behandelt.
Aber dann haben sie sich buchstäblich reingekämpft, etwa über den großartigen Fußballverein. Darin wird enorm viel Integrationsarbeit geleistet.
Auch für die Regionalsprache im Rheiderland haben sie bessere Chancen als ich selbst: Ich verstehe zwar vieles schon problemlos, aber das Sprechen fällt den Kindern letzten Endes dann doch leichter.
Wo schreiben Sie als Autor denn eigentliche besonders gern?
KleinIch schreibe gern an meinem Computer Zuhause, doch auch, wenn ich unterwegs bin. Früher mit den Kindern auf dem Spielplatz habe ich in den Block geschrieben. Da haben mich damals schon andere Mütter gefragt, ob ich vielleicht arbeitslos bin. Auch heute schreibe ich noch mit Bleistift und Radiergummi, etwa auf einer Fahrt in der Bahn.
Die moderne Technik gibt uns viele Möglichkeiten, aber sie macht auch abhängig.
Das Schreiben mit der Hand schafft dagegen eine andere Imagination, es steigert die Konzentration und die innere Vorausschau auf den Inhalt. Und ich freue mich über das Körperliche: Ich bin in Frieden mit meiner Schrift.
Georg Klein (59) ist Schriftsteller und liebt die offene Landschaft Ostfrieslands. Der gebürtige Augsburger, der mit seiner Familie in Heinitzpolder den weiten Blick über den Dollart in der deutsch-niederländischen Grenzregion genießt, fühlt sich zwar sprachlich als Schwabe, versteht aber auch fließend die schwierige Rheiderland-Mundart.
