Herr Dr. Müller, in Stadt und Land Oldenburg begegnet man vielen Spuren von PFL, wie die Oldenburger ihren Herzog abgekürzt nennen, also z. B. Hospital, Lambertikirche, Landesbibliothek. Wir wissen aber bisher wenig über seine frühen Jahre, bevor er 1785 Herrscher wurde. Können Sie das aufgrund Ihrer Forschungen jetzt erhellen?

MüllerMir ging es um seine Prägung durch sein Elternhaus, durch seine Schulzeit und seine mannigfachen Erlebnisse bis zum Regierungsantritt. Damit kann die Entwicklung seiner Wesensart jetzt besser verstanden werden. Dahinter stand immer die Frage, wie ein gutmütiger, zunächst etwas verspielter und zu Ausflüchten neigender Junge zu einem ernsten, ja verschlossenen Landesherrn wurde. Dabei war ihm die Herrschaft über das Herzogtum Oldenburg und das Fürstbistum Lübeck mitnichten in seine Wiege gelegt worden.

Was ist denn eigentlich neu an ihren Forschungsergebnissen?

MüllerDie gründliche Auswertung seiner gesamten Korrespondenz aus seinen frühen Jahren ergab zahlreiche neue Einblicke in seine Schulzeit, in seine Reisen, auch in seine Teilnahme am russisch-osmanischen Krieg, vor allem aber in seine Heirat und in seine Ehe, die tragischerweise unmittelbar nach seiner Regierungsübernahme durch den Tod seiner 20-jährigen Frau endete. Auch die Frage, wie ein im Geist der Aufklärung stehender Mensch als patriarchalischer, spätabsolutistischer Landesherr agieren konnte, kann für PFL jetzt gut beantwortet werden.

Gab es eine Person, die seine frühen Jahre steuerte, nachdem er schon mit acht Jahren Vollwaise geworden war?

MüllerGanz wesentlich waren ohne Zweifel Großfürst Paul, der spätere Zar Paul I., und seine Mutter, Zarin Katharina II. Diese Steuerung führte später zu einer engen Bindung der Außenpolitik von Peter Friedrich Ludwig an Russland. Aber die zahlreichen Impulse, die er auf seinem Lebensweg bis zur Regierungsübernahme aufzunehmen hatte, dürfen keinesfalls übersehen werden.

Dr. Bernd Müller ist Historiker am Institut für Geschichte der Uni Oldenburg. Er hält am 8. Oktober, 20 Uhr, auf Einladung des Oldenburger Landesvereins im Schlosssaal einen Vortrag über die frühen Jahre von Herzog Peter Friedrich Ludwig.