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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Eine Eskalation ist definitiv nicht in unserem Sinne

11.09.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-09-11T05:08:50Z 280 158

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Eine Eskalation ist definitiv nicht in unserem Sinne

Das Thema: Nordkorea-Konflikt

Im Interview: Rüdiger Frank, Nordkorea-Experte

Zur Person: Der gebürtige Leipziger Rüdiger Frank leitet das Ostasieninstitut der Universität Wien.

Frage: Pjöngjang will auf sein Atomprogramm um keinen Preis verzichten. Will Staatschef Kim Jong Un überhaupt reden?

Frank: Nordkorea will auf jeden Fall reden. Das Atomprogramm ist ja kein Selbstzweck. Es soll Nordkoreas Verhandlungsposition stärken, um Kim Jong Uns eigentliche Ziele zu erreichen. Dazu gehört an oberster Stelle langfristig eine koreanische Wiedervereinigung in Form einer Konföderation. Auf dem Weg dahin will Nordkorea einen Friedensvertrag mit den USA, eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen mit Washington und vor allem den Zugang zum Weltmarkt für Güter und Finanzmittel. Als nächstes steht der Aufbau der nordkoreanischen Wirtschaft auf dem Plan. Für all das sieht Kim Jong Un jedoch eine glaubwürdige atomare Abschreckung als die Ausgangsvoraussetzung an, und darum verfolgt er dieses Ziel auch so beharrlich. Verhandlungen, die Erfolg haben sollen, müssten sich daher mit der Frage befassen, wie wir mit dieser Realität umgehen.

Frage: Welchen Ausweg aus der Krise gibt es?

Frank: Entweder Nordkorea kollabiert; dann wäre diese Krise vorbei, es würden aber sofort andere erhebliche Probleme und Risikofaktoren auftreten. Oder die USA springen über ihren eigenen Schatten und fangen an, mit Nordkorea über eine vernünftige Regelung von deren Status als Atommacht zu verhandeln. Das ist allerdings sehr unwahrscheinlich. Letztlich dürfte es darauf hinauslaufen, dass alles so weitergeht wie bisher, verbunden mit der Hoffnung, dass niemand zu weit geht. Das ist eine wenig zufriedenstellende Situation, in jeder Hinsicht. Unter anderem bleiben dabei die Menschen und die Menschenrechte in Nordkorea auf der Strecke, über die in den vergangenen Monaten erschreckend wenig gesprochen worden ist.

Frage: Warum geht uns der Konflikte in Deutschland und Europa überhaupt etwas an?

Frank: Die EU hat erhebliche wirtschaftliche Interessen in der Region. China, Japan und Südkorea sind wichtige Handelspartner. Ein Konflikt in Korea wäre für uns sehr teuer, und er würde sich vermutlich global ausweiten, da die USA und China und eventuell auch Russland aneinandergeraten werden. Das ist definitiv nicht in unserem Sinne. Da unsere Wirtschaftsbeziehungen mit Nordkorea fast bei null sind – Deutschland hat 2016 Güter für unter 7 Millionen Euro nach Nordkorea exportiert – und die EU ohne die Nato militärisch ein Zwerg ist, haben wir auf der koreanischen Halbinsel jedoch keinen wirklichen Einfluss. Das sah noch 2001 ganz anders aus; wir haben durch einen vorschnellen Abbau der Beziehungen unsere Hebelwirkung verloren.

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