Herr Schneyder, Sie sind doch gewöhnlich gut informiert: Wer wird denn in Brasilien Weltmeister?

SchneyderBis vor wenigen Tagen dachte ich: Deutschland! Allerdings bin ich etwas unsicher geworden. Trotzdem: am ehesten Deutschland!

Sie sind Österreicher. Österreich ist leider nicht bei der Fußball-WM dabei.

SchneyderDadurch kann ich viel entspannter zusehen! Natürlich halte ich zu den Deutschen – außer sie spielen einmal schlecht. In dem Fall wünsche ich ihnen die Pest an den Hals.

Wie denken Sie darüber, dass die WM in einem Land voller gesellschaftlicher und politischer Spannungen stattfindet?

SchneyderDer Weltfußball hat jedes Maß verloren. Die Instinktlosigkeit der Organisatoren, die nicht auf die Produktionskosten eines solchen Events schauen, ist unermesslich! Die soziale Situation in Brasilien wird doch überhaupt nicht bedacht; das ist schon beschämend.

Dann sind Sie wahrscheinlich auch nicht von der geplanten WM 2022 in Katar begeistert?

SchneyderDort ist es doch noch schlimmer! Es gibt doch überhaupt keine sportliche Rechtfertigung dafür, eine Fußball-WM in Katar stattfinden zu lassen. Brasilien ist zumindest mehrfacher Fußball-Weltmeister und ein fußballverrücktes Land. In Katar wird doch der Fußball als Hobby von ein paar Reichen finanziert. Da gibt es keine Tradition. Der einzige Grund, warum dort bei völlig inakzeptablen Temperaturen eine WM stattfinden soll, sind doch die Bestechungsgelder an die Fifa-Funktionäre.

Wie wichtig war und ist Fußball in Ihrem Leben?

SchneyderFußball war für mich wahnsinnig wichtig, weil es die Einstiegsdroge in den Sport war. Als ich das erste Mal in meinem Leben ein Fußballspiel gesehen habe, wollte ich nur noch Torwart werden.

Warum gerade Torwart?

SchneyderWeil der ein eigenes, besonderes Trikot hat, anders als die zehn Feldspieler. Später habe ich dann Torwart gespielt bis zur A-Jugend und noch später in Promi-Fußballspielen, bis ich dann Anfang 50 war.

Wer spielt in Ihren Augen den schönsten Fußball?

SchneyderDen schönsten Fußball habe ich kürzlich bei zwei U-17-Teams gesehen.

Wer spielt den langweiligsten Fußball?

Schneyder Die Engländer haben immer Kick-And-Rush gespielt. Aber das ist nicht zielführend, eher zum Abgewöhnen. Und die Südländer haben das erfunden, was die Spanier Tiki-Taka nennen. Also dieses endlose Kurzpassspiel, auf die Dauer todlangweilig. Ich bin also für eine Kombination aus Kick-And- Rush und Tiki-Taka.

Sie beobachten den Fußball seit Jahrzehnten. Welche Veränderungen sind stark spürbar?

Schneyder Schnelligkeit, Athletik, Kondition, Taktik: All das ist anders geworden. Allein die Grundschnelligkeit hat sich verdoppelt. Und wer früher nur ein Verteidiger war, der ist heute Verteidiger und Flügelstürmer gleichzeitig. Die zehn Mann rennen immer voll über den Platz vor und zurück.

Gab es es eine WM, die Sie besonders schön fanden?

SchneyderJa, die WM 1990 in Italien. Da habe ich berichtet und viele Spiele im Original gesehen.

Gucken Sie sich alles an? Also auch Honduras gegen Ecuador oder Bosnien gegen Iran?

SchneyderVielleicht sehe ich nicht jedes Spiel ganz, aber zumindest die letzten zehn Minuten.

Schlafen Sie auch mal beim Spätspiel an einem Fußballabend ein?

SchneyderNein, das ist absolut ausgeschlossen!

Juckt es Sie in den Fingern? Würden Sie gern wieder über eine WM berichten?

SchneyderNein. Wenn das Fernsehen wieder mal käme und Nachbetrachtungen möchte, dann würde ich was sagen. Ich quatsche schon gern mit. Aber berichten möchte ich nicht mehr darüber. Ich genieße lieber am Fernseher. Und da darf mich keiner stören!

Geben Sie doch bitte mal für unsere Leser eine Liebeserklärung an den Fußball ab!

Schneyder Die Faszination des Fußballs besteht darin, dass der Mensch ja mit dem Fuß viel ungeschickter ist als mit den Händen. Der Sieg über das Ungeschick des Fußes macht das Spiel so faszinierend. Und wie hat einer mal so treffend gesagt? – Es stimmt nicht, dass es im Fußball um Leben oder Tod geht, es geht um viel mehr.