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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Entscheidung für Abzug war überstürzt

08.12.2015
Frage: Der Bundeswehr-Einsatz am Hindukusch soll jetzt wieder ausgeweitet werden. Wird es eine Endlos-Mission?
Hellmich: Das hängt davon ab, ob und wann es neue Gespräche zwischen der Regierung in Kabul und den Taliban geben wird. Wir brauchen hier eine Verständigung. Die Machtkämpfe zwischen den Flügeln der Taliban machen es nicht einfacher. Die einen setzen auf Verhandlungen, die anderen nicht. Ich gehe nicht davon aus, dass wir noch jahrelang in Afghanistan bleiben. Es wäre jedoch verfrüht, jetzt einen neuen Abzugszeitpunkt zu nennen. Erst müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein: Vor allem eine gute Regierungsführung in Kabul und ein verlässlicher Waffenstillstand mit den Taliban.
Frage: Hat man sich Illusionen gemacht über die Fähigkeiten der afghanischen Sicherheitskräfte?
Hellmich: Die Abzugsentscheidung der Nato war überstürzt. Den Ausschlag dafür haben innenpolitische Erwägungen der Amerikaner gegeben. Die afghanische Armee ist noch nicht so weit, die Lage komplett allein unter Kontrolle zu halten. Die Regierung hat jetzt die Sicherheitsverantwortung übernommen. Aber Hilfe benötigt sie nach wie vor. Immerhin ist es gelungen, wenn auch mit hohen Verlusten, Kundus zurückzuerobern. Wir stellen aber fest, dass die Taliban gerade in den ländlichen Regionen des Landes erhebliche Gewinne erzielen konnten und immer wieder Übergriffe auf die Städte versuchen. Wir müssen einen langen Atem haben. Die Aufstockung des Bundeswehr-Mandats und die Möglichkeit zur Weitergabe von Aufklärungserkenntnissen an die Afghanen sind deshalb richtig.
Frage: Der Syrien-Einsatz der Bundeswehr läuft an. Werden eines Tages auch westliche Bodentruppen benötigt, womöglich auch deutsche?
Hellmich: In Syrien mit Bodentruppen eingreifen zu wollen, würde eine Überschätzung unserer Fähigkeiten bedeuten. Es wäre auch grundfalsch. Der IS wartet doch nur darauf, in Syrien auf westliche Bodentruppen schießen zu können. Diesen Gefallen werden wir ihm nicht tun. Wir müssen die lokalen und regionalen Kräfte in Syrien und dem Irak stärken. Die kurdischen Peschmerga-Kämpfer sind durchaus in der Lage, auch am Boden Gewinne zu erzielen. Die ersten Erfolge sind da.

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