NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Er wollte immer alles ändern

19.12.2013
Michael Jürgs (68) war von 1986 bis 1990 „Stern“-Chefredakteur. Er arbeitet heute als Schriftsteller („Romy Schneider“).
Frage: Wann sind Sie Nannen erstmals begegnet?

Jürgs: Das war 1969. Ich war Redakteur der Münchner „Abendzeitung“ und er war schon ein Star aus Hamburg. Alle Jungjournalisten träumen davon, mal bei ihm zu arbeiten.

Frage: 1976 sind Sie dann zum „Stern“ gegangen . . .

Jürgs: . . . . und ich war immer noch voller Ehrfurcht. Aber ich merkte, er wollte Widerspruch, das liebte er. Man durfte ihn aber nie unterschätzen.

Frage: Ein Beispiel?

Jürgs: Manchmal dachte man in Redaktionskonferenzen, er sei eingeschlafen. Aber wer sich darauf verließ, wurde ertappt. Er war da wie ein Krokodil, plötzlich war ein Auge auf und er war beim Thema und schlug – zack! – zu!

Frage: Man lernte daraus als Jungjournalist?

Jürgs: Und wie! Es war nichts schlimmer, als von nichts zu wissen. Er war ein Vorbild in Sachen Leidenschaft und Neugier. Er war nie zufrieden mit dem, was man bekommt, deshalb hat er auch nie ein fertiges „Stern“-Heft angeschaut – er konnte ja nichts mehr ändern! Er hatte ein geniales Gespür, hat etwa die Bedeutung der TV-Serie „Holocaust“ erkannt. Er war auch ein leidenschaftlicher Reporter, der selbst losfuhr. Kinder, sagte er gern zu uns, ihr müsst die Wahrheit hinter der Wirklichkeit finden. Kurzum: Er war ein Brocken von Mensch. Er war der Hans Albers des Journalismus, er hat uns den Rücken völlig freigehalten.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Frage: 1983 kam der Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher.

Jürgs: Das war wie ein erster Tod, wie ein Herzschlag für ihn. Er hat sich selbst auch Schuld gegeben.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2060
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.