Herr Jähn, haben Sie sich mit Ihrem Weltraumflug 1978 einen Kindheitstraum erfüllt?
JähnAls Kind hatte ich ein Faible für die Fliegerei. An Raumfahrt, die ja damals noch in den Anfängen steckte, dachte ich noch nicht. Als mir die Sowjetunion dann die Chance bot, habe ich keine Minute gezögert. Es war für mich großes Glück. Ich spürte keine Angst, dachte nicht an irgendein Risiko.
Was hat Sie denn so fasziniert?
JähnDie Erde aus einer anderen Perspektive zu sehen, so wie man es sich nie vorgestellt hat. Wir haben sie 16-mal am Tag umrundet, und ich dachte, wir sind den Sternen so nah. Aber das war ja gar nicht der Fall. Und man sieht die Erde ohne Grenzen und Konflikte. Das hat mich beeindruckt und sicherlich auch geprägt.
Da haben Sie auf der Kibum in Oldenburg ja einiges zu erzählen.
Jähn Ja, ich möchte den Kindern berichten, wie es wirklich im Kosmos zugeht. Der Weltraum hat immer etwas Faszinierendes. Aus diesem Grund zeige ich Bilder aus meinem Archiv. Die Autorin Maja Nielsen habe ich bei ihrem Sachbuch über Kosmonauten beraten. Wir beide ergänzen uns bei solchen Buchpräsentationen gut und sind ein eingespieltes Team.
Bei aller Faszination für Technik, Astronauten und Weltall – welche Botschaft wollen Sie den Kindern und Jugendlichen außerdem vermitteln?
JähnEs geht mir nicht nur darum, zurückzublicken, sondern auch nach vorne zu schauen. Wir unternehmen so viele Dinge, die für die Zukunft der Menschheit und der Erde gefährlich sind. Unsere Lebensgrundlagen dürfen wir aber nicht zerstören, denn wir können ja nicht irgendwann einfach die Erde verlassen und auf andere Planeten umsiedeln. Das wird kaum funktionieren, und es wäre auch unethisch. Als junger Mensch habe ich allerdings nicht so viel darüber nachgedacht, da stand schon das Abenteuer im Vordergrund.
In der ehemaligen DDR genossen Sie offiziellen Heldenstatus. Haben Sie sich auch so gefühlt?
JähnAuf keinen Fall. Das wurde schon manchmal übertrieben. Dabei empfand ich widersprüchliche Gefühle. Einerseits spürte ich Dankbarkeit und habe mich gefreut, wenn mir zum Beispiel viele Mitbürger schrieben. Ich sträubte mich nicht dagegen, der Kosmonaut zu sein, bin aber auch der Mensch geblieben, der ich vorher war. Denn ich wollte mich nicht ideologisch vereinnahmen lassen, auch wenn ich im Sozialismus aufgewachsen bin und kein großer Kritiker des Systems war.
Im Film „Good Bye Lenin“, einer Satire auf die untergehende DDR, werden Sie – gespielt von Stefan Walz – zum letzten Staatsratsvorsitzenden gemacht, der die Grenzen öffnet. Finden Sie das eine originelle Idee?
JähnRegisseur Wolfgang Becker hat mich sogar gefragt, ob ich nicht mich selbst spielen möchte. Das habe ich aber abgelehnt, weil mir das zu unrealistisch vorkam. Sonst halte ich „Good Bye Lenin“ für einen gelungenen Film.
In Rastede vor den Toren Oldenburgs lebt einer Ihrer Nachfolger: der Astronaut Thomas Reiter.
Jähn Ja, ich habe ihn während seiner Ausbildung in London kennengelernt. Ein kluger und sympathischer Mann. Wir pflegen gute freundschaftliche Kontakte.
