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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Erlernte Techniken eignen sich nicht für illegale Graffiti

08.10.2013
Frage: An der Grundschule Dürerstraße in Ganderkesee haben Kinder eine Wand mit Graffiti-Kunst verschönert. Soll damit der Nachwuchs bereits zu Sprayern „ausgebildet“ werden, der später Züge oder Autobahnbrücken „verziert“?
ORTNER: Die Graffititechniken, die die Kinder in diesem Kurs gelernt haben, sind aufgrund des Aufwandes und der benötigten Zeit gar nicht geeignet, illegale Graffiti anzufertigen. Darüber hinaus bestehen die Lehrinhalte aus Bildkomposition, Tiefenperspektive und Teamarbeit – und nicht daraus, wie bewege ich mich nachts möglichst unauffällig oder wie schnell kann ich eine fünf Quadratmeter große Fläche bemalen.
Frage: Wie ist es zu der Idee gekommen, die Wand mit Graffiti zu bearbeiten, und wie ist der Kontakt zwischen Ihnen und der Schule entstanden?
ORTNER: Ich bin in einer Jugendfreizeiteinrichtung in Niedersachsen als Graffitidozent tätig gewesen und wurde von der Ganderkeseer Kunstpädagogin Swantje Neubauer angesprochen, ob ich bei diesem Projekt mitwirken möchte.
Frage: Graffiti: Kunst oder Schmiererei, daran scheiden sich oft die Geister. Viele Menschen, gerade aus der älteren Generation, äußern sich oftmals eher abfällig über Graffiti-Werke. Was denken Sie darüber?
ORTNER: Graffiti ist dann Kunst, wenn es künstlerisch betrieben wird, so wie wir es in dem Projekt getan haben. Wenn ich mit Ölfarbe und Pinsel losziehen würde und Wände beschmieren würde, wäre das auch keine Kunst. Andererseits ist ja auch nicht gleich jeder Ölmaler ein Schmierfink.
Frage: Wie sieht Ihre persönliche Bilanz der Graffiti-Aktion an der Grundschule Dürerstraße aus? Wie haben die Kids sich als „Sprayer“ gemacht, und sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
ortner: Die Kids haben viel Geduld, tollen Ehrgeiz und ganz viel Leidenschaft gezeigt. Das Ergebnis macht alle Teilnehmer Stolz auf das, was sie in den vergangenen Tagen geleistet haben. Aus meiner Sicht war das ein wirklich tolles Projekt mit einem klasse Ergebnis, das sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen kann.

Siko Ortnerist Künstler und Graffitidozent. „Die jahrzehntelange Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Sprühtechnik in Verbindung meinen Ausbilder-Qualifikationen, sind die Basis für meine Dozententätigkeit“, sagt der 45-Jährige.


Infos unter   www.siko-ortner.com 
Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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