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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Es gibt Fälle, da fragt man sich: Wer macht sowas?“

18.05.2017

Frage: Die Tötungsdelikte in Varel und Wardenburg erschüttern die gesamte Region. Sie beschäftigen sich den ganzen Tag damit, wie Menschen zu Tode gekommen sind. Gibt es einen besonderen Namen für das, was sie da tun?
Grewe: Ja, das stimmt. Ich bin Todesermittler im 1. Fachkommissariat bei der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland.
Frage: Wenn also jemand umgebracht worden ist, dann kommen Sie ins Spiel?
Grewe: Nicht nur, wenn es sich um eine sogenannte ungeklärte Todesursache handelt. Ich werde auch zu Fällen gerufen, wenn etwa in einem Seniorenheim ein Bewohner verstirbt, oder im Krankenhaus.
Frage: Aber wenn jemand etwa an Altersschwäche stirbt, haben Sie doch gar nichts mehr zu ermitteln.
Grewe: Grundsätzlich gibt es eine ganze Menge an Formalitäten zu beachten, wenn jemand verstirbt. Es geht etwa um die Nachlasssicherung, das Informieren des Bestatters, wenn keine Angehörigen vor Ort sind. Wir kommunizieren natürlich auch mit der Staatsanwaltschaft, mit der Rechtsmedizin. Es gibt viele weitere Verwaltungstätigkeiten, wenn jemand verstorben ist. Wenn es um eine anzunehmende Straftat geht, dann ist es meine Aufgabe, den Täter zu ermitteln.

Beruf Todesermittler

Hans-Jörg Grewe ist Todesermittler bei der Oldenburger Polizei. Der 56-Jährige ermittelt unter anderem in Todesfällen, die keine natürliche Ursache haben. Im Interview spricht er über den Umgang mit belastenden Situationen.

Frage: Sie erwähnten Angehörige: Ist es auch Ihre Aufgabe Todesnachrichten zu überbringen? Oder wer macht das?
Grewe: Ja, das gehört auch zu den Aufgaben eines Todesermittlers.
Frage: Hat man vor so einem Gespräch eigentlich Manschetten?
Grewe: Das sind in der Tat eigentlich die belastendsten Augenblicke in meinem Berufsleben. Ich erinnere mich an einen Fall, da sollte ich einer Familie die Nachricht überbringen, dass ihre Tochter verstorben war. Ich suchte nach der Hausnummer, fuhr also langsam durch die Straße, und im Garten winkte mir ein Mann ganz freundlich. Ich hielt an, um ihn zu fragen, wo es zu der entsprechenden Hausnummer ginge. Und dann sagte er: Das ist hier, bei mir. Sowas bleibt an einem hängen. Man ist in so einem Moment ohnehin nicht einfach nur Ermittler. Man kann da keine Dienstvorschrift abarbeiten, Meldung machen und dann wieder verschwinden. Man hat eine Verantwortung für die Menschen, denen man diese Nachricht überbringen muss. Da gibt es dann auch keinen Feierabend.
Frage: Denken Sie manchmal an die vielen Fälle, die Sie bearbeitet haben? Und belastet Sie das?
Grewe: Ich habe in meinem Berufsleben bestimmt mehrere Hundert Leichen gesehen. Und natürlich gibt es Fälle, gerade bei Tötungsdelikten, wo man sich fragt: Wer macht so etwas? Stellen Sie sich vor, sie haben einen viereinhalb Monate alten Säugling in den Händen, der zu Tode geschüttelt worden ist. Da braucht man bei aller Professionalität schon mal ein Ventil, um das loszuwerden.
Frage: Wie sieht das aus?
Grewe: In erster Linie sind das Gespräche, die wir bei der Polizei im Team führen. Es gibt unter anderem Angebote zur Supervision, in der man auch über belastende Dinge sprechen kann. Aber ich muss auch sagen, dass ich in der Regel die Bilder meiner Arbeit nicht mit nach Hause nehme, sie belasten mich nicht. Sollte das jemals der Fall sein, dann kann ich sofort mit dem aufhören, was ich hier tue.
Frage: Ist es Ihnen schon einmal passiert, dass Sie einen Tatort wieder haben verlassen müssen, um sich mal kurz zu sammeln?
Grewe: Nein, das ist mir noch nie passiert. Ich bin natürlich auch innerlich darauf vorbereitet, wenn ich zu einem Einsatz gerufen werde. Und es hilft mir, wenn ich mich bei der Arbeit auf ein ganz starres Abarbeiten einer Routine konzentriere. Das verhindert, dass man zu emotional reagiert.