• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Es ist nicht so, dass man sich als Jude verstecken muss

09.11.2019
Frage: Herr Schuster, brennende Synagogen, organisierte Gewalt und Ermordung und Inhaftierung von Juden – der 9. November 1938 gilt als das Tor zu Auschwitz. Welche Bedeutung haben dieses historische Datum und die Geschehnisse von damals heute?
Schuster: Die Geschehnisse von damals haben jedem nach außen hin deutlich gemacht, in welche Richtung sich der Nationalsozialismus entwickelt. Es wurden deutschlandweit Synagogen gestürmt und angezündet. Wer behauptet hat, zu dem Zeitpunkt von nichts gewusst zu haben, der war blind. Die Bilder der zerstörten Synagogen und der verwüsteten jüdischen Geschäfte haben sich tief in unser Gedächtnis eingebrannt. Dass es nach dem Völkermord und der Shoa eine Erneuerung jüdischen Lebens in Deutschland gegeben hat, ist alles andere als selbstverständlich.
Frage: Droht das Gedenken an die Pogromnacht zur Routine zu werden?
Schuster: Nein, der 9. November ist ein sehr historischer Tag in Deutschland. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass in diesem Jahr der 30. Jahrestag des Mauerfalls einen besonderen Stellenwert einnimmt. Deshalb darf man aber auch nicht die Geschehnisse des 9. November 1938 vergessen. Es ist gut, wenn es solche Art von festen Gedenktagen gibt, die uns immer wieder dazu veranlassen, im Alltag innezuhalten und zurückzublicken. Dabei ist es auch wichtig, darüber nachzudenken, wie wir eine Gedenkkultur entwickeln können, die auch jüngere Menschen mit einem veränderten Medienkonsum anspricht.
Frage: Vor wenigen Wochen gab es den antisemitischen Anschlag in Halle. Haben Politik und Sicherheitsbehörden die Gefahr von Rechtsextremisten zu lange unterschätzt?
Schuster: Die Politik hätte sich auf allen Ebenen früher und nachhaltig den rechtsex­tremen Tendenzen entgegenstellen müssen. Es bedarf der Wachsamkeit und des aktiven Kampfes gegen Rechtsextremismus und gegen Rechtsterrorismus. Das ist einerseits eine Aufgabe des Staates, aber auch eine der Gesellschaft und jedes Einzelnen.
Frage: Kaum noch ein Tag, in dem es nicht zu antisemitischen Vorfällen und Übergriffen kommt. Wie dramatisch ist aus Ihrer Sicht die Situation?
Schuster: Die Situation ist schwierig, aber wir sollten einen kühlen Kopf bewahren. Es ist nicht so, dass man sich als Jude in Deutschland verstecken muss. Wir haben Brennpunkte, insbesondere in den Metropolen. Ich denke hier zum Beispiel an Berlin oder Dortmund, wo wir Schwerpunkte haben, die man mit Intensität bekämpfen muss.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2018
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.