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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Es ist viel zu einfach, nur mehr Männer zu fordern“

13.06.2018
Frage: Ist es wichtig, dass Kindergartenkinder auch von männlichen Erziehern betreut werden?
Sylvia Jahnke-Klein: Ich halte es schon für wichtig. Es wird immer gefordert, dass es mehr Männer in den Kitas gibt. Allerdings gibt es Einschränkungen.
Frage: Welche sind das genau?
Jahnke-Klein: Im Kindergarten lernen die Kinder, dass es zwei Geschlechter gibt. Sie entwickeln ein Bewusstsein dafür, welches Geschlecht sie selbst haben und interessieren sich für ihr eigenes Geschlecht. Dazu sind auch Vorbilder wichtig. Allerdings sind für die Jungen keine Rollenmodelle da.
Carol Hagemann-White hat einmal gesagt, es gebe Mann und „Nicht-Mann“, also Frau. Bei der Abwesenheit von Männern erfolgt die Identitätsbildung der Jungen durch doppelte Negation als „Nicht-nicht-Mann“. Natürlich ist es leichter, wenn Männer als konkrete Rollenvorbilder da sind.
Frage: Also sind männliche Erzieher doch wichtig?
Jahnke-Klein: Ich mache hier eine deutliche Einschränkung: Es reicht nicht, dass irgendwelche Männer Erzieher sind. Erzieher müssen positive Rollenmodelle, also genderbewusste Männer sein. Sie sollten sich mit der Gender-Thematik auseinandergesetzt haben. Wenn sie nur stereotype Verhaltensweisen vermitteln, verstärken sie diese nur.
Frage: Wie festigen sich diese Stereotype?
Jahnke-Klein: Unsere Kultur kennt nur die Zweigeschlechtlichkeit, also Mann oder Frau, und den Geschlechtern werden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Aber das stimmt so nicht. Es ist eine Konstruktion. In Deutschland gibt es rund 160 000 intersexuelle Menschen, die nicht eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen sind. Außerdem gibt es viele Transsexuelle. Im vergangenen Jahr hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil entschieden, dass es ein drittes Geschlecht gibt und ein Eintrag wie zum Beispiel „inter“ im Geburtenregister möglich sein muss.
Frage: Wie drückt sich das „System der Zweigeschlechtlichkeit“ beispielsweise bei Jungen aus?
Jahnke-Klein: Die Anforderungen an einen Jungen sind, dass dieser cool, witzig und faul in der Schule sein muss, um „männlich“ zu wirken. Doch dieses Verhalten führt zu schlechten Zensuren und macht Jungen zu Bildungsverlierern
Frage: Also ist die Forderung nach männlichen Erziehern nicht gerechtfertigt?
Jahnke-Klein: Doch, eine Chance ist gegeben, aber es klappt nicht automatisch. Das gesamte Personal muss genderkompetent sein und geschult werden. Das müsste ein fester Bestandteil in der Ausbildung sein. Sonst können auch Frauen die Stereotype verstärken. Es ist viel zu einfach, nur mehr Männer zu fordern.

Dr. phil. Sylvia Jahnke-Klein (55) ist Lehrkraft für besondere Aufgaben für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Gymnasium an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Sie hält männliche Erzieher für wichtig – aber mit Einschränkunbgen.

Ellen Kranz
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2051

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