Die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus aller Welt treffen sich zum Anti-Missbrauchs-Gipfel im Vatikan. Welche Erwartungen haben Sie an dem Gipfel?

RörigEs ist wohl einer der größten Krisengipfel in der Geschichte der katholischen Kirche. Meine Erwartung ist, dass die Kardinäle und Bischöfe ein klares Bekenntnis abgeben. Die katholische Kirche hat gewaltige Schuld durch den Missbrauch auf sich geladen. Das dadurch entstandene Leid muss mit aller Konsequenz anerkannt und die Opfer müssen entschädigt werden. Auch wenn der Weg lang und beschwerlich ist. Die Chefetage der katholischen Kirche aus allen Erdteilen muss sich jetzt ohne Wenn und Aber zur vollständigen Aufarbeitung bekennen.

Was muss konkret geschehen?

RörigIch hoffe, dass eine klare Übereinkunft formuliert und vereinbart wird, sexuellen Missbrauch weltweit aufzuklären und aufzuarbeiten. Dazu gehört für mich auch die Bereitschaft, weltweit Kommissionen zur Aufarbeitung von Missbrauch in der katholischen Kirche einzurichten und klare und unumkehrbare Regeln der Aufarbeitung aufzustellen. Täter müssen klar sanktioniert werden. Es muss endlich um die Opfer gehen. Die katholische Kirche muss jetzt einen Weg finden, damit die Tausenden von Betroffenen mit starken Rechten ausgestattet und endlich nicht mehr als Störer oder Bittsteller von Verantwortlichen abgewehrt werden.

Wie steht es mit Entschädigungen?

RörigAuf diesem Krisengipfel wird es sicher noch keine konkreten Formulierungen zu Entschädigungsregelungen geben. Da sind wir in Deutschland schon einen großen Schritt weiter. Die Deutsche Bischofskonferenz wird sich mit der Entschädigungsfrage neu auseinandersetzen. Hier hat man eingesehen, dass das bisher Beschlossene nicht ausreicht. Darüber muss jetzt beraten werden. Wichtig ist, dass von Rom das Signal ausgeht, dass dieses Treffen der Beginn einer Debatte auch über Entschädigungszahlungen in angemessener Höhe ist.

Welche Rolle kann die Deutsche Bischofskonferenz bei dem Gipfel spielen?

RörigEs wäre gut, wenn Kardinal Marx in Rom deutlich macht, dass Deutschland bei der Aufarbeitung von Missbrauch Vorreiter und Vorbild sein will.