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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Zwei Generationen mit einem Ziel

22.01.2019
Frage: Haben Sie einen Lieblingsfilm?
Detlef Roßmann (72): Nur einen? Na gut, ich habe seit langer Zeit einen: „Pierrot le fou“ („Elf Uhr nachts“) von Godard aus dem Jahr 1965.
Tobias Roßmann (39): Einer meiner Lieblingsfilme ist auf jeden Fall „The Big Lebowski“ von den Coen-Brüdern, 1998 entstanden. Mit einem schön schrägen Humor und bis heute unübertroffen.
Detlef Roßmann: Die Meinung kann ich teilen! Den Film finde ich auch gut.
Frage: Mögen Sie als 39-Jähriger denn den Godard-Film?
Tobias Roßmann: Ja! Aber wenn ich die Wahl zwischen Godard und Hitchcock hätte, dann schaue ich lieber einen Hitchcock.
Frage: Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Kinofilm?
Detlef Roßmann: Ja. Das war eine Verfilmung von „Pat & Patachon“ mit meinem Vater in einem Vorstadtkino in Hannover.
Tobias Roßmann: Bei mir war das 1983 der Kinderfilm „Flußfahrt mit Huhn“ von Arend Agthe, ein spannendes Abenteuer!
Frage: Das Casablanca-Kino ist in unserer Region Kult. Sie leiten es beide – wie teilen Sie sich die Arbeit?
Tobias Roßmann: Wir sind eine GmbH und beide Geschäftsführer. Die operative Leitung, das tägliche Geschäft, mache ich. Mein Vater ist vor allem als Berater und im Hintergrund tätig. So tauschen wir uns zum Beispiel viel über Filme aus.
Frage: Was hat Ihr Vater für einen Filmgeschmack?
Tobias Roßmann: Da sind wir gar nicht so unterschiedlich. Er kennt natürlich mehr und kommt aus einer anderen Generation.
Detlef Roßmann: Ich glaube, dass mein Sohn offener ist für ein breiteres Publikum, als ich es bin. Ich komme mehr aus der klassischen Filmkunst-Ecke, da bin ich dann vielleicht manchmal ein Klotz am Bein. Ich vergesse dann, dass die Filme nicht nur einem selbst gefallen müssen.
Frage: Eine Gratwanderung zwischen Kunst und Kommerz?
Detlef Roßmann: Ja, das ist ein großes Thema.
Tobias Roßmann: Mein Motto ist immer: Man muss sich die Filme vorher anschauen, dann weiß man auch, wohin die Reise geht.
Frage: Sie gucken sich alle Filme vorher an?
Tobias Roßmann: Alle nicht in Gänze, aber dann gucken wir zumindest die langen Trailer der Verleiher an. Klar ist: Das Niveau darf nicht zu sehr sinken, aber einen Bond- oder Star-Wars-Film zeigen wir schon. Unterhaltung ist ein legitimes Bedürfnis.
Detlef Roßmann: Es gibt Filme, die bei uns nicht funktionieren. So ein Film wäre zum Beispiel die Comicverfilmung „Aquaman“. Das wäre nichts für unser Publikum.
Frage: Was haben Sie denn für ein Publikum?
Detlef Roßmann: Unser Publikum ist durchschnittlich älter, weiblicher und hat einen höheren Bildungshintergrund und wahrscheinlich auch ein höheres Einkommen.
Tobias Roßmann: Das Interessante ist eben, dass man das nicht so genau vorhersagen kann. So kamen in den Musical-Film „La La land“ ganz viele junge Leute. Darüber freuen wir uns, weil die dann sehen, dass es hier gemütlich zugeht, und dass man hinterher noch ein Gläschen trinken kann.
Detlef Roßmann: Es müssen ja nicht immer intellektuelle Ergüsse sein, die da gezeigt werden. Gute Unterhaltungsfilme tun es auch. Das ist ja das Phänomen: Bestimmte Filme, wie „Der Junge muss an die frische Luft“, laufen bei uns besser als im Cinemaxx-Kino. Keiner weiß, warum.
Frage: Was ist eigentlich, wenn nur ein einziger Besucher zu einem Film kommt?
Detlef Roßmann: Wir schicken keinen weg, der Film läuft dann trotzdem.
Frage: Gibt es noch Spätvorstellungen?
Detlef Roßmann: Das stirbt leider aus, da kommen zu wenig Leute. Schon eine Anfangszeit wie 21 Uhr schreckt inzwischen das Publikum ab.
Frage: Sind Netflix und Co. die größte Konkurrenz der Filmkunst-Kinos?
Detlef Roßmann: Das ist ein abendfüllendes Thema. Aber noch ist es keine Konkurrenz, doch es wird außerordentlich kritisch debattiert.
Tobias Roßmann: Generell ist das für mich schon eine Konkurrenz, und dem müssen wir durch ein attraktives Programm begegnen. Und durch ein Kino, das einen attraktiven sozialen Ort darstellt. Deshalb renovieren wir unser Foyer oder laden auch mal Regisseure und Schauspieler zu uns ein.
Detlef Roßmann: Man hat herausgefunden, dass viele gern Filme herunterladen, aber auch gern ins Kino gehen. Das eine scheint das andere nicht auszuschließen. Die große Gefahr von Netflix ist in meinen Augen, dass die so unendlich viel Geld haben, dass sie alles produzieren, beschäftigen und kaufen können. Die räumen den Markt für kreative Filme leer.
Frage: Was unterscheidet Ihr Kino von anderen Kinos?
Tobias Roßmann: Ich spreche nicht mehr vom Programmkino, sondern vom Filmkunst-Kino. Ich will ein anspruchsvolles Programm machen, eines, in dem man lachen oder weinen kann. Kino für den Kopf und für das Herz.
Detlef Roßmann: Das wollen natürlich die Multiplex-Betreiber auch. Ich glaube, wir machen Kino für ein erwachsenes Publikum, das unterscheidet uns. Es geht auch darum, Filme zu zeigen, die über den Tag hinaus bedeutend sind.
Frage: Können Filme die Welt verändern?
Detlef Roßmann: Nein. Aber man kann vielleicht zum Denken anregen und Eindrücke hinterlassen.
Tobias Roßmann: Das kann ich so unterschreiben.
Frage: Wollten Sie immer das machen, was Ihr Vater machte?
Tobias Roßmann: Ich bin ja im Kino großgeworden, und war später dann ein paar Jahre aus Oldenburg weg, habe über den Tellerrand geguckt. Aber letztlich war es doch so, dass ich mich schon immer für Filme begeistert habe.
Detlef Roßmann: Und ich bin froh, dass ich nicht mehr für alles verantwortlich bin! Ist doch schön, wenn das Casablanca-Kino in der Familie bleibt.
Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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