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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Flüchtling“ ist zu einem sehr starken Wort geworden

12.12.2015
Frage: Warum ist „Flüchtlinge“ zum Wort des Jahres 2015 gewählt worden?
Ewels: Es war das alles dominierende Thema, das Deutschland seit Monaten beschäftigt. Es beherrschte nicht nur die Politik, sondern trieb die gesamte Gesellschaft um. Es hielt Einzug in beinah jeden Bereich. Diese Dominanz konnte man auch klar in den Vorschlägen sehen, die wir erhielten. Wir bekamen rund 2500, und die Vorschläge, die etwas mit Flüchtlingen zu tun hatten, überwogen deutlich. Eigentlich hätten wir die komplette Liste der engeren Auswahl nur mit Begriffen der Flüchtlingsthematik besetzen können.
Frage: Was waren das für Wörter?
Ewels: Flüchtlingsdebatte, Flüchtlingsflut, Flüchtlingskrise, Flüchtlingswahnsinn, Balkan-Flüchtling, Balkan-Route, sicheres Herkunftsland, Bleibechance, Erstaufnahmelager, Residenzpflicht, „Wir schaffen das“ und Pegida. Am Ende hat sich unsere neunköpfige Jury mit acht Ja-Stimmen und einer Enthaltung eindeutig für „Flüchtlinge“ entschieden.
Frage: Was ist das Besondere an diesem Wort?
Ewels: Das Schöne an diesem Wort ist, dass es wertfrei ist und als solches die gesamte Thematik zusammenfasst. Durch seinen häufigen Gebrauch in den vergangenen Wochen hat es sich mittlerweile aber auch verändert. Wir assoziieren mit „Flüchtlingen“ heute viel mehr als vorher: verschiedene Aspekte der Asylfragen, verschiedene Weltregionen. Das Wort hat an Bedeutung gewonnen. Es ist zu einem sehr starken Wort geworden.
Frage: Hatten Sie noch einen anderen Favoriten?
Ewels: Mir hat „Willkommenskultur“ sehr gut gefallen. Es ist ein relativ neues und sehr schönes, positives Wort. Allerdings stand es schon vergangenes Jahr auf der Liste und war damit relativ schnell ausgeschieden. Man sieht: Schon damals hat uns die Flüchtlingsthematik beschäftigt.
Frage: Was sagen uns die Top-10-Wörter über das Jahr?
Ewels: Es war ein Jahr mit vielen negativen Ereignissen. Die Wörter des Jahres erzählen auch immer die Geschichte Deutschlands. Ich würde nicht so weit gehen, dass sich Deutschland verändert hat. Doch blickt man auf die Wörter „schummeln“ und „mogeln“, ist damit schon etwas hinzugekommen, was man vorher nicht so mit Deutschland verbunden hat.
Benno Müchler Korrespondentenbüro Berlin
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