Frau Ortmann, Flüchtlinge in die Gesellschaft zu integrieren, wird eine der wichtigsten Aufgaben in den kommenden Jahren sein. Das Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik an der Uni Oldenburg startet ein „Buddy-System“. Wie lautet die Idee dahinter?
OrtmannZehn Master-Studierende der Sonderpädagogik begleiten zehn geflüchtete Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 15 Jahren, um sie zu unterstützen. Jeder Studierende wird der „Buddy“, also der Kamerad, eines Kindes und steht ihm mindestens ein Jahr zur Seite. Der direkte Kontakt hilft nicht nur den Flüchtlingen und ihren Familien, sich in Deutschland einzuleben. Er ist auch ein Gewinn für die Studierenden selbst, denn die angehenden Lehrer machen so wichtige Erfahrungen im Umgang mit geflüchteten Kindern.
Richtet sich das Projekt an eine spezielle Gruppe?
OrtmannDa es ein Projekt der Sonder- und Rehabilitationspädagogik ist, richtet es sich in erster Linie an Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung. Es kommen auch Flüchtlinge mit Behinderungen zu uns. Lehrkräfte an Förderschulen oder im inklusiven Modell müssen sich zusätzliche Kompetenzen aneignen, um auch diesen Schülerinnen und Schülern gerecht werden zu können. Die Studierenden führen im Rahmen der Lehrveranstaltung Einzelfallstudien durch und lernen so, wie Pädagogen die Entwicklung eines Kindes gezielt fördern können.
Flüchtlingskinder als Studienobjekte also?
OrtmannDie geflüchteten Kinder und Jugendlichen sind keineswegs Studienobjekte. Das Buddy-System versteht sich als ein partnerschaftliches Zusammensein.
Wie werden die Studierenden auf ihre neue Aufgabe vorbereitet?
OrtmannDerzeit lernen die Studierenden, was Krieg und Flucht in einem Menschen auslösen können. Außerdem machen sie sich mit der Kultur der Heimatländer ihrer Schützlinge vertraut und lernen etwas Arabisch oder Kurdisch. Dann treffen sie die Kinder und Jugendlichen, die an dem Projekt teilnehmen möchten. Diese werden in Kooperation mit dem Leiter der Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen BBS 3 in Oldenburg ausgesucht.
Monika Ortmann ist Professorin am Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Universität Oldenburg. Gemeinsam mit Dorin Strenge hat sie hat sie ein Projekt zur Integration junger Flüchtlinge konzipiert-
