Herr Wenzel, der Papst beklagt die Ausbeutung der Natur. Was sagt ein Umweltminister dazu?

WenzelEine bemerkenswerte Botschaft in Sprache und Inhalt. Franziskus prägt einen neuen Gottesbegriff vom Menschen als Teil des Ganzen, der Verantwortung übernehmen muss. Der Papst weist auf den Klimawandel, auf die Versauerung der Meere, die Bedrohung für die Nahrungskette und auf die besondere Betroffenheit der Armen durch den Klimawandel hin. Stichwort: Wüstenbildung. Und: Das Eigentum muss dem Gemeinwohl dienen. Da setzt Papst Franziskus einen ganz harten Pflock.

Was kann man aus der Botschaft für Niedersachsen herausnehmen?

WenzelIch sehe viele Anstöße: Wie kommen wir aus der Kohle raus? Wie aus den Braunkohlekraftwerken? Wie stoppen wir die Vermüllung der Meere und die Versauerung? Vor allem steht der Papst für eine Organisation von 1,2 Milliarden Mitgliedern sowie 1,2 Millionen Ordensleuten – und das ist ein Hebel auch für die Tagespolitik in Niedersachsen.

Beispiel?

WenzelIch würde mich freuen, wenn die katholische Kirche ihre Geld- und Vermögensanlagen in Niedersachsen überprüft – mit Blick auf eine konsequent nachhaltige Politik auch für die vielen Ländereien. Es wäre hilfreich, würden alle ökologisch nachhaltig bewirtschaftet. Das hätte eine große Wirkung. Denn aus historischen Gründen besitzen Kirchengemeinden oft auch Land.

Franziskus warnt davor, Wasser als Ware zu sehen…

WenzelZu Recht! Gerade haben Experten besorgniserregende Tiefstände bei großen Grundwasserspeichern ermittelt. Wassermangel kann zum gravierendsten Problem der nächsten Jahrzehnte werden. Das ist ein Gerechtigkeitsthema, weil der Zugang zu Wasser keine Preisfrage sein darf, die von Konzernen diktiert wird.

Der Papst wirkt teils radikaler als Grüne. Könnte er Mitglied werden?

WenzelUns sind alle engagierten Menschen herzlich willkommen.

Dann müssen Sie dem Papst einen Aufnahmeantrag schicken!

Wenzel(lacht) Darum müssten sich unsere italienischen Freunde kümmern. Aber Franziskus als Gast auf unserer Klimakonferenz Anfang Oktober in Hannover – das würde mir gefallen.