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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Früher waren nur die Augen besser

08.04.2017
Frage: Herr Goosen, war früher alles besser?
Frank Goosen: : Nein. Das sagt ja auch der Förster in dem Buch, dass das Einzige, was früher wirklich besser war, die eigenen Augen und Gelenke sind. Unsere Perspektive auf die Zeit früher ist davon gekennzeichnet, dass wir jünger waren und dass einem in der Rückschau vieles besser vorkommt. Objektiv besser war’s nicht, sondern höchstens subjektiv, weil man leistungsfähiger war und weil man weniger Verantwortung zu tragen hatte.
Frage: In Ihrem Buch heißt es an einer Stelle: Die Sehnsucht nach früher funktioniert nur, wenn dieses Früher sich immer weiter entfernt.
Goosen: : Genau, das ist an der Stelle auch festgemacht an der Vorstellung, wie das wäre, wenn man jetzt im Urlaub an der Telefonzelle wieder Schlange stehen müsste. Technische Entwicklungen, speziell im Bereich der Unterhaltungselektronik und der Kommunikation, finde ich prima. Man kann alles übertreiben – das gilt aber auch fürs Naschen von Omas Buttercremetorte. Die Welt war früher auch nicht sicherer. Ein großer Unterschied zu früher ist die mediale Darstellung der Wirklichkeit.

Erfolgreicher Autor und Kabarettist

Frank Goosen liest am Donnerstag, 4. Mai, ab 20 Uhr im Kulturzentrum PFL aus seinem aktuellen Roman „Förster, mein Förster“. Es geht um einen Schriftsteller, der kurz vor seinem 50. Geburtstag steht und dem nichts mehr einfällt.

Als Autor und Kabarettist ist er seit vielen Jahren erfolgreich – seine Bücher „Liegen lernen“ (2003), „Radio Heimat“ (2015) und „Sommerfest“ (Start am 29. Juni 2017) wurden verfilmt. Mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen lebt Goosen in Bochum – für den VfL sitzt er im Aufsichtsrat.

Karten für die Lesung im PFL kosten 18,30 Euro im Vorverkauf. Sie sind u. a. im NWZ-Medienhaus (Peterstraße 28-34) erhältlich und online unter

    nwz-ticketshop.de

    www.mitunskannreden.de

Frage: Was wird denn im Alter besser?
Goosen: : Im günstigsten Fall stellt sich eine gewisse Abgeklärtheit ein. Man hat viele Dinge schon ein paar Mal erlebt und regt sich nicht mehr so über alles auf. Zumindest ist das ein Zustand, den man anstreben sollte.
Frage: Was war für Sie die schönste Zeit im Leben? War das die Phase zwischen 20 und 25?
Goosen: : Nein, würde ich nicht sagen. Mit 25 war ich in einem permanenten emotionalen Ausnahmezustand. Ich hab’ viel zu viel getrunken und hatte meine Frau noch nicht kennengelernt. Und ich hatte vor allem noch keine Kinder. Für mich hat die beste Zeit im Leben angefangen, als wir Kinder bekommen haben. Warum soll man Abschnitte in seinem Leben in Ranglisten packen? Das ist Quatsch, das lehne ich ab!
Frage: Ihrer Hauptfigur, Schriftsteller Förster, steht der 50. Geburtstag bevor. Sie selber haben diese Erfahrung ja im vergangenen Jahr gemacht. Was ist eigentlich so schlimm daran, 50 zu werden?
Goosen: : Gar nichts. Man tendiert dazu, die runden Geburtstage als Punkt zu nehmen, um nachzudenken. Obwohl die eigentlichen Einschnitte im Leben – Heirat, die Geburt der Kinder oder der Verlust eines Menschen im persönlichen Umfeld – andere sind. Die fallen ja in den seltensten Fällen mit den runden Geburtstagen zusammen.
Frage: Es gibt eine Figur, den Lehrer Tilman Brock, genannt Brocki, der sehr im Gestern verhaftet ist. Der Typ, mit dem er sich immer streitet, Frank „Fränge“ Dahlbusch, übertreibt es hingegen mit seiner Offenheit gegenüber Jugendtrends. Wo bewegen Sie sich in diesem Spannungsfeld?
Goosen: : Ich habe so ein bisschen die Position von Förster, weil er in der Mitte steht. Ich bemühe mich zu differenzieren, weil ich gemerkt habe, immer wenn ich eine steile These heraushaue, gibt es auch eine Menge Gegenargumente. Ich versuche offen zu bleiben für Neues, vor allem in Literatur und Musik. Aber gerade in der Rockmusik ist es so, dass die Sachen, die einen im Alter von 15 oder 16 erwischt haben, immer einen besonderen Platz im Leben haben. Das schafft Musik, auf die man später trifft, dann nicht mehr. Weil sie auch eben nicht für einen gemacht ist. Das habe ich schon 1992 bei Nirvanas „Nevermind“ gemerkt: Der Zorn, der da transportiert wurde, war nicht mehr meiner. Dafür hätte ich acht bis zehn Jahre jünger sein müssen.
Frage: Wieviel Frank Goosen steckt denn in Ihrer Hauptfigur Förster?
Goosen: : Streng autobiografisch ist da wenig. Ich kann mich aber gut in seine Gefühle hineinversetzen. Ich kenne mich natürlich mit dem Schreiben aus, auch wenn ich noch nicht so wie Förster eine Schreibblockade über einen längeren Zeitraum gehabt habe. Aber ich sage immer: Ein bisschen Fantasie ist nicht schlecht in diesem Beruf.
Frage: Förster erlebt im Buch eine Nicht-Lesung in Berlin mit Privatunterkunft. Haben Sie selber auch einmal solche Tour-Desaster durchleben müssen?
Frage: Goosen: Es gibt da ein Detail in diesem Kapitel, das ich früher eins-zu-eins mit „Tresenlesen“ zusammen mit Jochen Malmsheimer erlebt habe. Wir kamen in ein Berliner Theater, wo wir zwei Wochen am Stück spielen sollten, die Plakate aber noch zusammengerollt im Büro lagen. Und dann hat der Theaterleiter ein Faktotum, das da am Tresen saß, mit einem Zettel in die umliegenden Cafés und Restaurants geschickt, wo drauf stand, dass heute Kabarett ist. Ich habe natürlich auch merkwürdige Unterkünfte und schlechte Hotels erlebt - gerade in der Anfangszeit. (überlegt) Wobei, neulich war ich auf Einladung des Goethe-Instituts in Toronto in einem sehr schönen Hotel. Da lagen im ersten Zimmer Zigarette und Asche unterm Fenster, im zweiten stieß ich auf ein Würstchen unterm Sessel. Davor ist man also auch heute nicht gefeit. So etwas fließt zumindest auf Umwegen in gewisser Zeit in die Bücher ein.
Frage: Sie erwähnen in Ihren Büchern immer wieder Bands und Musikstücke. Warum spielt Musik eine so wichtige Rolle?
Goosen: : Rock- und Popmusik hat mich immer beeinflusst, auch beim Schreiben. Ich brauche das, um mich in bestimmte Stimmungen hineinzuversetzen. Ich schreibe gerade einen Roman, der in den 80ern anfängt und sich durch die 90er zieht. Da versetzt mich die Musik in diese Zeit zurück und hilft mir manchmal auch aus Mini-Schreibblockaden heraus, wenn man nicht weiß, wie es weitergehen soll. Ich versuche Songs in die Bücher einzuschleusen, die mir gut gefallen haben, aber in Vergessenheit geraten sind.
Frage: Gibt es eine Chance, dass die eine oder andere Figur aus „Förster, mein Förster“ wieder auftaucht?
Goosen: : Ja, die gibt es. Ich habe eine große Zuneigung zu allen Figuren und auch zu dem Ton, den ich im Förster angeschlagen habe. Förster, Fränge, Brocki – die kommen ja alle in der einen oder anderen Geschichte meines Bühnenprogramms vor. Da versuchen die zum Beispiel zusammen nach Südspanien zu fahren, kommen aber nur bis Remscheid. Und ich habe eine Weihnachtsgeschichte geschrieben, in der es um die Drei und „Last Christmas“ von Wham geht. Die lassen mich nicht los.
Zeitlos ist Ihre Fußballliebe zum VfL Bochum. Seit 2010 gehören Sie dem Aufsichtsrat an. Wie bekommen Sie das mit Ihren Lesungen und Auftritten in Einklang?
Goosen: Das geht. Ich war vier Jahre zusätzlich noch Jugendtrainer bei einem kleinen Verein, DJK Arminia Bochum. Da hatte ich meinen ganzen Tourplan auf meine Fußballaktivitäten ausgerichtet. Das ist jetzt nicht mehr so extrem. Ich trete wieder öfter auf, und meine Lesungstermine werden viel weiter im Voraus vereinbart. Da stehen Sitzungstermine im Aufsichtsrat noch gar nicht fest. Wenn’s beim VfL einigermaßen läuft, sind es auch gar nicht so viele Termine. Aber es gab ja auch Zeiten, in denen es Spitz auf Knopf stand und wir uns von Trainern und Spielern getrennt haben. Da weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr, wie ich das alles unter einen Hut bekommen habe.
Letzte Frage, sind Sie eigentlich eine Sonntagsqualle?
Goosen: Ganz so quallig bin ich nicht, dafür bin ich zu unruhig. Ich nutze den Sonntag gerne, um Zeitungen zu lesen, wenn ich dazu in der Woche nicht gekommen bin. Wenn ein Abgabetermin ansteht, kann ich aber auch schon mal ans Arbeiten kommen. Ich bin also eine Halbqualle. Die Sonntagsqualle ist eine Hommage an den Element-of-Crime-Song „Michaela sagt“, den Förster im Buch zitiert. Darin sagt diese Michaela, dass sie Sonntage nicht mag, eil da alle Leute wie Quallen durch den Tag treiben. Für mich allerdings eine schöne Vorstellung.

Das komplette Interview lesen Sie auf   www.nwzonline.de 
Stephan Onnen Redakteur / Redaktion Oldenburg
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