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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Für Prestigeobjekte werden Milliarden vergeudet

14.12.2017
Frage: Herr Hofreiter, täglich neue Pannen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn von München nach Berlin – sind das normale Startprobleme oder gravierende Fehler?
Hofreiter: Sowohl als auch. Startprobleme gibt’s fast immer, aber wenn die Verspätungen von der Bahn auf Unzulänglichkeiten des längst etablierten Zugsicherungssystems ETCS oder schlichtweg auf den Wintereinbruch geschoben werden, dann funktioniert das Management nicht richtig.
Frage: Offenbar waren vor der Einweihung Probleme bekannt. Warum hat die Bahn nicht früher reagiert?
Hofreiter: Aus meiner Sicht ist die Struktur der Bahn teilweise zu intransparent und ineffizient. Wir brauchen dringend eine Neustrukturierung. Und wir brauchen ein Verkehrsministerium, das die Interessen der Kunden der Bahn in den Mittelpunkt stellt.
Frage: Die Bahn spricht von einem Jahrhundertprojekt. Sind solche Schnellstrecken zwischen den Metropolen die Zukunft des Schienenverkehrs?
Hofreiter: Wir wollen die Fahrzeiten im gesamten Netz beschleunigen, nicht nur für einzelne Strecken. Die Planung einer einzelnen Strecke ist eben nur eindimensional. Für viele Fahrgäste verbessert sich nichts durch die extrem aufwändige Beschleunigung einer einzelnen Verbindung. Ich bin mir sicher: Nur ein klug geplantes und gesteuertes Schienennetz hat Zukunft. Da denke ich besonders an die Vertaktung des Fernverkehrs und des Nahverkehrs.
Frage: Drohen angesichts dieser Milliardeninvestition die Strecken im Regionalverkehr im ländlichen Raum abgehängt zu werden?
Hofreiter: Das ist die Gefahr. Für Prestigeobjekte werden Milliardensummen vergeudet, die viel sinnvoller in unspektakulären, aber volkswirtschaftlich sinnvollen Verbesserungen in den regionalen Netzen investiert wären. Da denke ich an die Flaschenhälse an Bahnknoten genau wie an marode Regionalstrecken.
Frage: Die Kosten für das Bahnprojekt Stuttgart 21 explodieren. Droht dort ein neues Milliarden-Grab?
Hofreiter: Das haben wir schon längst. Und ich rechne damit, dass die aktuellen Kostenangaben der Bahn noch nicht das Ende der Fahnenstange sind. Am Ende – fürchte ich – kostet dieses Projekt einen zweistelligen Milliardenbetrag.
Andreas Herholz
Korrespondentenbüro Berlin
Tel:
0441 9988 2018

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Verkehrsministerium | Stuttgart 21

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