Herr Gebken, der DFB hat jetzt in Berlin die Flüchtlingsinitiative „1:0 für ein Willkommen“ vorgestellt. Wie viel Erfahrung aus Oldenburg steckt in dem Aktionsprogramm?
GebkenEine ganze Menge. Es ist schön zu sehen, dass wir von Oldenburg aus so eine Initiative, die ganz Deutschland betrifft, auf den Weg bringen konnten.
Zeichnen Sie doch bitte einmal diesen Weg nach.
GebkenVor zweieinhalb Jahren sind wir mit Jugendlichen der Oldenburger Jugendfreizeitstätten, dem Präventionsrat, Mansur Faqiryar als Schirmherrn und einigen Studierenden mit dem mobilen Soccercourt in das Flüchtlingsheim an der Gaußstraße gefahren. Mit uns waren Ratsvertreter, der damalige OB Gerd Schwandner und Verwaltungsvertreter dabei gewesen, um mit den Bewohnern des Flüchtlingsheims zu kicken. Diese Aktion fanden alle sehr gut. Nicht reden, sondern auf die Zuwanderer zugehen und Fußball spielen.
Wie ging es weiter?
GebkenAus diesem Aktionstag heraus haben wir den Flüchtlingen eine Hallenzeit in der Sporthalle Fliegerhost besorgt. Gleichzeitig organisieren wir für Flüchtlingskinder Fußball-AGs an den Oberschulen mit Sprachlernklassen in Eversten und Osternburg sowie an den Grundschulen Haarentor und Kreyenbrück. In der Schule ist es am einfachsten, dass die Kinder niedrigschwellig an Sportangeboten teilnehmen. Das klappt sehr gut. Darüber hinaus konnten wir die Spieler der freien Übungszeit der Sporthalle Fliegerhorst in den Krusenbuscher SV überführen. Mit diesen Erfahrungen bin ich im Sommer 2014 auf den DFB zugegangen und habe ihn als Kommissionmitglied für Integration aufgefordert, Handreichungen mit konkreten Tipps für Vereine zu formulieren und ein großes Projekt für Flüchtlinge zu starten. Wir sind da hartnäckig am Ball geblieben.
Diese Handreichungen haben DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, Liga-Präsident Reinhard Rauball und Staatsministerin Aydan Özoguz unter dem Titel „Willkommen im Verein“ in der vergangenen Woche präsentiert. Sind Sie zufrieden?
GebkenIch freue mich, dass das jetzt ein Mega-Thema geworden ist. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Handreichungen werden kräftig gelobt. Das Projekt mit unseren Bausteinen – dem Soccercourt im Flüchtlingsheim, Fußball- AGs für Flüchtlinge in den Schulen und offene Angebote in den Vereinen – soll nun kommen. Flüchtlinge in bestehende Vereinsstrukturen zu integrieren, ist eine schwierige Aufgabe, die den Vereinen durch das Aktionsprogramm erleichtert werden soll. Der organisierte Fußball tut sich noch schwer damit. Da haben wir noch dicke Bretter zu bohren.
Was kann Fußball für die Integration von Flüchtlingen leisten?
GebkenFußball hat eine große Symbolkraft. Wir wissen, wie wichtig das Mannschaftsgefühl, das Wissen, dazu zu gehören, für Kinder ist. Wir wissen auch, dass der Fußball eine Sprache ist, die jede Sprachbarriere leicht überwindet. Fußball gibt Flüchtlingen eine Art Heimat. Er bringt Leichtigkeit in ihr Leben zurück.
Wie sehen Sie die Zukunft für fußballerische Integrationsprojekte?
GebkenVor 15 Jahren haben wir in Oldenburg „MICK“, das integrative Mädchenfußballprojekt „Mädchen kicken mit“, auf den Weg gebracht. Die New York Times hat es vorgestellt, Prinz Charles durften wir es in Berlin präsentieren und nun läuft es europaweit an mehr als 300 Standorten. Diese Entwicklung kann das Projekt „Fußball mit Flüchtlingen“ auch nehmen.
