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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Geschlechtergerechte Sprache: Was hält Ganderkesees Gleichstellungsbeauftragte davon?

04.02.2019

Frage: Als erste große deutsche Stadt hat Hannover die geschlechtergerechte Sprache eingeführt. Frau Gaida-Hespe, was halten Sie als Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Ganderkesee davon?

Gaida-Hespe: Vorweg: Ich bin ohne Handy aufgewachsen und meine Diplomarbeit war nicht geschlechtergerecht formuliert. Aber Dinge ändern sich: Was uns erst holprig und schwierig vorkommt, wird nach und nach zur Selbstverständlichkeit. Es ist noch gar nicht so lange her, da war eine Frau in Hosen am Rednerpult undenkbar. Sie durfte weder Hosen tragen, noch sich politisch äußern. Heute haben wir eine Bundeskanzlerin, die ich selten im Rock sehe. Da sollte auch unsere Sprache nachziehen, damit es für künftige Generationen selbstverständlich ist, dass eine Frau in Hosen am „Redepult“ steht. Es ist vor allem notwendig, zur Diskussion anzuregen. Da kann ein Vorschlag auf den ersten Blick noch so albern und überzogen wirken. Wichtig ist, dass Menschen sich daraufhin Gedanken machen und das Thema plötzlich im Kopf haben. Auch mir passiert es, dass ich über geschlechtergerechte Formulierungen stolpere. Aber ich bin auch ohne Handy aufgewachsen, mittlerweile kann ich damit ganz gut umgehen.

Frage: Also gehen die Vorschläge in die richtige Richtung?

Gaida-Hespe: Die Organisation „Pinkstinks“ hat mit jungen Mädchen ein eindrucksvolles Musikvideo mit dem Titel „Sichtbar sein“ produziert.

Hier wird sehr schön verdeutlicht, wie gerade junge Mädchen direkt angesprochen werden wollen. Sie verstehen nicht, warum uns Erwachsenen das so schwer fällt. Sprache ist für mich ein Hilfsmittel, damit junge Menschen traditionelle Rollenbilder nicht unreflektiert übernehmen. Es gibt auch Ingenieurinnen und Kindergärtner bzw. Erzieher. Die Botschaft ist: Entscheidet selber, was und wie ihr werden wollt. Das ist aber schwer, wenn unser Sprachgebrauch das schon nicht hergibt. Daher: Einige Vorschläge aus Hannover finde ich gut, etwa „alle“ statt „jede/jeder“. Ob eine Stadt oder Gemeinde deshalb zur Organisatorin werden muss, weiß ich nicht. „Die Veranstaltung wird organisiert von...“ klingt doch auch gut.

Frage: Fühlen Sie sich persönlich diskriminiert, wenn etwa nur von Bürgern die Rede ist?

Gaida-Hespe: Sprache ist ein sehr wichtiges gesellschaftliches Instrument und ein starker Motivationsfaktor. Zum Beispiel hat eine Studie aus 2015 gezeigt: „Wenn Berufe in einer geschlechtergerechten Sprache dargestellt werden, also sowohl die männliche als auch die weibliche Form genannt wird (Ingenieurinnen und Ingenieure statt Ingenieure), schätzen Kinder typisch männliche Berufe als erreichbarer ein und trauen sich selbst eher zu, diese zu ergreifen.“ Wie gesagt: Ich bin mit einer anderen Form von Sprache aufgewachsen und muss die neue Sprache an vielen Stellen auch noch lernen. Ich wünsche mir aber vor allem für unsere Kinder, dass wir Wege finden, dass alle Menschen sich angesprochen fühlen. So können wir uns auf die wichtigen Themen in unserem Leben konzentrieren – und dabei automatisch eine angemessene Sprache verwenden.

Frage: Inwieweit achten Sie auf gendergerechte Sprache in der Gemeindeverwaltung?

Gaida-Hespe: Ich bin jetzt seit einem Jahr Gleichstellungsbeauftragte in der Gemeinde. Geschlechtergerechte Sprache ist seitdem immer wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen Thema. Auf die Änderung des Personenstandsrechts hat Ganderkesee sehr schnell reagiert und beispielsweise in Stellenausschreibungen und im Meldeamt das dritte Geschlecht aufgenommen. Manchmal bekomme ich Anfragen bezüglich geschlechtergerechter Formulierungen und helfe dann gern. Die Kolleg*innen sind vielleicht aber oft auch schon sensibilisiert, da viele Schriftstücke mit „Die Bürgermeisterin“ unterschrieben sind. Einige Formulare und Dokumente sind der Gemeinde vom Bund oder Land vorgegeben, da können wir keinen direkten Einfluss nehmen. Aber für die anderen strebt die Gemeindeverwaltung auf Sicht eine Vereinheitlichung an.

Frage: Seit wann ist gendergerechte Sprache ein Thema in der Verwaltung? Haben Sie aktuelle Beispiele?

Gaida-Hespe: Veränderungen in der Sprache gehen immer mit gesellschaftlichen Veränderungen einher. Die weibliche und männliche Form in der Anrede gibt es schon seit vielen Jahren, etwa bei Anschreiben der Verwaltung. Das Thema „gendergerechte Sprache“ ist jetzt natürlich gerade sehr aktuell – und wird uns sicher noch eine Zeit beschäftigen. Es ist manchmal gar nicht so leicht, eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird und trotzdem bei der Mehrheit auf Akzeptanz stößt. Ganz aktuell soll z.B. die Feuerwehrsatzung überarbeitet werden. Verwaltungssprache kombiniert mit sehr vielen weiblichen wie auch männlichen Dienstbezeichnungen macht das Lesen und Verstehen nicht einfach. Vielleicht lassen sich ja auch da elegante Lösungen finden.

Sonja Klanke Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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