Herr Diekmann, war 2014 ein gutes Jahr für den Baustoffhandel im Nordwesten?

DiekmannUnsere 65 Nowebau-Fachhändler konnten ihre Marktanteile in einem harten Wettbewerb behaupten – teilweise sogar ausbauen. Damit können wir sehr zuversichtlich in die Zukunft blicken. Wir sind insgesamt sehr zufrieden, aber keineswegs euphorisch. Für unsere ausbleibende Euphorie sorgt auch die Politik. Denn die verabschiedete Mietpreisbremse könnte auch die Nachfrage nach Baustoffen bremsen. Das ist für uns ein falsches Signal.

Aber es ist doch immer vom Bauboom die Rede, war da nicht mehr drin?

DiekmannBauboom ist immer relativ – die Zahl der Neubauten lag beispielsweise Mitte der 1990er Jahre noch um ein Vielfaches höher als heute. Somit ist das, was heute als Bauboom bezeichnet wird, ein Wachstum auf niedrigem Niveau. Gleichzeitig bestimmt heute ein teilweiser ruinöser Preiskampf den Wettbewerb. Zudem hat die Einführung der Mietpreisbremse Investoren verunsichert. Am Ende ist natürlich immer mehr drin. Aber in diesem Umfeld können wir mit unserem Ergebnis sehr zufrieden sein.

Wo liegen die Wachstumsbereiche der Zukunft?

DiekmannNeben einer stabilen Neubauentwicklung ist ein steigendes Aufkommen im Bereich der Renovierung und Sanierung zu beobachten. Darauf entfallen bereits heute etwa 60 Prozent der Baumaßnahmen in Deutschland. Das ist das Marktsegment der Zukunft. Das Thema Energiesparen steht dabei im Mittelpunkt. Aber auch ökologisch-nachhaltige Aspekte rückten zunehmend in den Fokus von Bauherrn. Darüber hinaus erwarten wir, dass sich aufgrund der demografischen Entwicklung das barrierefreie Wohnen zu einem interessanten Marktsegment entwickeln wird. Insgesamt bleiben Immobilien in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase grundsätzlich für viele Anleger interessant. Die Nachfrage nach „Betongold“ wird vermutlich anhalten, was sich auch positiv auf den Baustofffachhandel auswirkt. Ein Wermutstropfen ist dabei die Mietpreisbremse, die diesen Effekt abschwächen könnte. Im gewerblichen Bereich gehen wir von einer stabilen Entwicklung aus – im Gegensatz zur öffentlichen Bautätigkeit, die sich vielerorts eher im Rückwärtsgang bewegt.

Gibt es regionale Unterschiede oder Trends?

DiekmannInsgesamt ist ein starker Trend zu hochwertigen Produkten in allen Gewerken zu beobachten. Aber natürlich gibt es regionale Unterschiede. Grob gesagt, entstehen in ländlichen Gebieten vergleichsweise viele Neubauten. Gerade im Norden Deutschlands ist der Wunsch nach dem frei stehenden Eigenheim mit viel Wohnraum sehr ausgeprägt.

Haben mittelständische Händler wie Nowebau weiter eine Chance gegen die großen Handelskonzerne und Produzenten?

Diekmann Natürlich haben wir Mittelständler eine Chance – eine gute sogar. Denn die Ansprüche an die Bauqualität steigen – das gilt für die Ausführung, das Design und die Baustoffe. Deshalb sind vor allem gute Beratung und ein erstklassiger Service gefragt. Genau dort liegen unsere Stärken. Kunden erhalten ganzheitliche Lösungen. Aber: Stillstand können wir uns nicht eine Sekunde lang leisten, dann bleiben wir auf der Strecke.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)