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Bahnverkehr zwischen Hude und Oldenburg gestört
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Aktualisiert vor 1 Minute.

Brücke Defekt
Bahnverkehr zwischen Hude und Oldenburg gestört

NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Gute Ausbildung als Visitenkarte

10.09.2016
Frage: In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Auszubildenden eher abgenommen. Nun hat die Oldenburgische IHK für Ende August ein Plus von 5,2 Prozent bei der Zahl der Ausbildungsverträge vermeldet. Zeichnet sich hier eine Trendwende ab?
Hildebrandt: Wir hatten in der Tat 2015 ein Minus von 1,1 Prozent. Der kräftige Anstieg im ersten Halbjahr, in einem Monat sogar um 11,1 Prozent, hat sicherlich auch etwas mit den frühen Ferien zu tun. Wir gehen davon aus, dass wir hier im IHK-Bezirk im Gesamtjahr die Zahl aus 2015 werden halten, vielleicht sogar leicht steigern können. Das wäre eine schöne Entwicklung.
Frage: Wird sich das denn auf Dauer halten können?
Hildebrandt: Nein, wahrscheinlich nicht, allein schon aufgrund der bekannten Einflüsse: Es gibt weniger Schulabsolventen, gleichzeitig steigt der Anteil derjenigen, die ein Studium angehen. Wir werden also die Situation erleben, dass sich trotz gleichbleibend hohen oder steigenden Bedarfs der Unternehmen in den nächsten Jahren weniger junge Leute bei ihnen um einen Ausbildungsplatz bewerben werden. Umso wichtiger wird es für die Betriebe, dass sie als attraktiver Arbeitgeber angesehen werden.
Frage: Wie kann man sich denn als attraktives Unternehmen darstellen?
Hildebrandt: Der wichtigste Punkt ist, dass ich den Jugendlichen eine gute Ausbildung anbiete. Als Betrieb muss ich mir bewusst sein, dass die Qualität meiner Ausbildung die Visitenkarte für die Bewerbungen der nächsten Jahre ist. Wer sich nicht um eine gute Ausbildung kümmert, dem muss klar sein, dass er künftig weniger Bewerbungen bekommen wird. Denn die Jugendlichen tauschen sich natürlich auch untereinander aus. Dazu gehört ein fairer und sachgemäßer Umgang miteinander und ein gutes Betriebsklima.
Frage: Konkret?
Hildebrandt: Das bedeutet zum Beispiel klare Regelungen treffen, die auch eingehalten werden und transparent sind. Beispiel: Überstunden. Wie wir aus unseren Umfragen wissen, ist es für die meisten Jugendlichen überhaupt kein Problem, Überstunden zu machen. Die junge Leute wollen nur genau wissen, was kriege ich dafür und wann. Weiteres Beispiel: Ausbilder. Es ist wichtig, dass auch in kleineren Betrieben, in denen es keine hauptamtlichen Ausbilder gibt, zwischen Geschäftsführung und Ausbildern geklärt ist, das Ausbildung Zeit kostet und nicht einfach nur nebenbei gemacht werden kann. Ausbildung heißt auch, etwas mit den jungen Leuten tun, regelmäßige Gespräche führen, ihnen Feedback geben, sie auch zum Selbstdenken im Unternehmen erziehen. Es reicht nicht, sie nur mitlaufen zu lassen und alles vorzubeten.
Frage: Werden die Unternehmen hier kreativer?
Hildebrandt: Ja, auf jeden Fall – und zwar durchaus auf breiter Front, aber eben nicht durchgehend, wie auch unsere Befragungen zeigen. Azubiprojekte sind in vielen Unternehmen mittlerweile Standard. Gute Beispiele sieht man auch immer wieder beim Ausbildungspreis „PIA“. Zugleich können die bei „PIA“ vorgestellten Ideen auch Anregungen für andere Unternehmen bieten. Man kann gute Ideen in Sachen Ausbildung auch von anderen übernehmen und weiterspinnen.
Frage: In diesem Jahr gibt es bei „PIA“ einen Sonderpreis für kreative Ausbildungsprojekte rund um Flüchtlinge. Welches Potenzial sehen Sie hier?
Hildebrandt: Es ist gut, dass sich Unternehmen auch Gedanken machen, wie man Flüchtlingen eine duale Ausbildung schmackhaft machen kann. Denn hier gibt es durchaus Potenzial. Aber Potenzial heißt im Regelfall nicht zwangsläufig für sofort. Wir haben relativ wenig – zur Zeit sind es ca. 40 – Neueintragungen von Flüchtlingen aus der IHK-Region, die jetzt gerade eine Ausbildung beginnen.
Frage: Woran liegt das?
Hildebrandt: Ein Problem ist natürlich die Sprache. Für Berufsschule und betriebliche Ausbildung braucht man einen gewissen Wortschatz. Das Niveau B2, mit dem man eine Ausbildung anfangen kann, ist nach Aussagen von Experten das absolute Minimum. Zweiter Punkt: Viele Flüchtlinge sind entweder gar nicht zur Schule gegangen oder haben sie nur für wenige Jahre besucht. Und wenn man gar kein oder nur sehr wenig schulisches Allgemeinwissen hat, sei es in Geografie, Mathematik oder Physik, wird man Schwierigkeiten in der Ausbildung haben. Es gilt, die Gruppe der Flüchtlinge zu integrieren. Aber vor der Annahme, dass jetzt eine riesige Zahl in die Ausbildung geht, möchte ich warnen. Auf Dauer werden die Flüchtlinge mit Sicherheit auch in größerer Zahl in die Ausbildung kommen. Aber das wird mindestens fünf Jahre dauern. Da braucht man einen längeren Atem.

  Infos zum Ausbildungspreis „PIA“ und ein Spezial unter   www.nwzonline.de/pia 
Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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