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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Gute Ausbildung und kompetente Ausbilder wichtig

28.08.2014
Frage: Frau Jürgensen, die Einschätzungen von Experten zur Lage am Ausbildungsmarkt sind in den vergangenen Jahren – aus Sicht der Jugendlichen – immer positiver geworden. Viele Jugendliche hätten heutzutage quasi die große Auswahl. Teilen Sie aus Gewerkschaftssicht die positive Einschätzung?
Jürgensen: Es ist tatsächlich so, dass der Markt sich gewandelt, auf den ersten Blick entspannt hat. Früher hatten die Arbeitgeber die große Auswahl unter den – im Vergleich zum Ausbildungsplatzangebot zu vielen – Jugendlichen. Diese Lage hat sich, schon demografisch bedingt, grundsätzlich zugunsten der Bewerberinnen und Bewerber verändert. Aber man sollte die Lage nicht zu schön reden. Die Statistik sagt nicht alles. Viele Jugendliche haben weiterhin Probleme, ihren Platz im Ausbildungssystem und damit auch in der Gesellschaft zu finden.
Frage: Mal ein Beispiel?
Jürgensen: Nehmen wir die Zahlen der Arbeitsagentur zur Stadt Oldenburg. Demnach standen rund 1300 registrierten Bewerbern und Bewerberinnen 1360 gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber. Die Zahlen signalisieren aber nur scheinbar eine gewisse Ausgeglichenheit. Tatsächlich gibt es da nur wenig Auswahl. Das ist aber wichtig, denn die Interessen und Fähigkeiten von Jugendlichen sollten ja möglichst zu den Anforderungen der ausbildenden Betriebe passen. Insgesamt spüren wir außerdem, dass die Zahl der Ausbildungsplätze mancherorts sogar zurückgefahren wird. Das ist nicht nur für die Chancen der Jugendlichen, sondern auch im Hinblick auf den langfristigen Fachkräftebedarf kontraproduktiv.
Frage: Was ist zu tun?
Jürgensen: Ich kann nur an die Betriebe appellieren, verstärkt auszubilden. Man sollte sich dort einfach klarmachen, dass mit mehr Ausbildung in die Zukunft des Unternehmens investiert wird.
Frage: Viele Jugendliche haben ja auch Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. Müsste man dort nicht ansetzen?
Jürgensen: In der Tat! Dafür sprechen auch hohe Abbruchquoten. Der Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung, generell die Wahl des eigenes Berufsweges, muss mit einer hochwertigen Berufsorientierung besser vorbereitet und begleitet werden. Das sehe ich als große gemeinsame Herausforderung für Schulen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter, Kammern und andere.
Frage: Zahlreiche Betriebe klagen, sie fänden nicht mehr genügend Nachwuchs. Was muss man heutzutage als Ausbilder jungen Leuten bieten, damit man punkten kann?
Jürgensen: Zunächst einmal: eine gute Ausbildung, mit guten Ausbildern! Das spricht sich mit der Zeit herum. Dies gilt aber eben auch bei Mängeln in der Ausbildung. Die gibt es in zahlreichen Betrieben auch weiterhin.
Frage: Inwiefern?
Jürgensen: Längst nicht überall werden die rechtlich vorgegebenen Rahmenbedingungen für Ausbildung auch tatsächlich eingehalten. Immer wieder hören wir etwa von zu vielen Überstunden oder Tätigkeiten, die mit der Ausbildung eigentlich nichts zu tun haben. Oder auch: Ausbilder sind häufig nicht dort, wo sie hingehören, nämlich vor Ort bei den Auszubildenden. Und nicht alle Ausbilder sind gut qualifiziert. An diesen Punkten sollten Betriebe ansetzen. Dann tun sie auch etwas für ihr Image als Ausbilder, denn das spricht sich herum. Und dann kann man noch allerhand obendrauf setzen. Ein schönes Spektrum von vielen guten Ideen zeigt jedes Jahr der Wettbewerb „Preis für Innovative Ausbildung‘ der NWZ , bei dem gerade die Bewerbungsfrist für 2014 läuft.
Frage: Gute Ausbildung mit innovativen Ideen ist das Eine. Junge Leute im Betrieb wollen aber doch wohl auch wissen, wie es nach der Ausbildung weitergeht, oder?
Jürgensen: Ganz klar. Man sollte früh miteinander über die Möglichkeiten reden, auch über Weiterbildung, persönliche Entwicklung und Aufstiegs-Chancen. All dies ist den jungen Menschen wichtig, neben der Vergütung und dem Urlaub. Letztlich sollte es ja darum gehen, eine langfristige Zusammenarbeit einzuleiten.
Frage: Das könnte dann auch die Fachkräfteproblematik etwas entschärfen. Sehr oft wurde vor diesem Hintergrund schon beschworen, man wolle mehr tun, um bestimmte bisher vernachlässigte Bevölkerungsgruppen verstärkt für eine Berufsausbildung zu gewinnen. Sind Taten gefolgt?
Jürgensen: Ja, aber noch längst nicht genug. Zu den positiven Ansätzen gehört aus meiner Sicht die zunehmende Zahl von Ausbildungen in Teilzeit. Damit bekommen junge Mütter eine echte Chance. Es gibt auch vielversprechende Projekte für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Da bekommen Betriebe zum Beispiel externe Unterstützung bei der Betreuung. Aber wie gesagt: Insgesamt kann noch viel mehr getan werden.
Frage: Also Ausbildungen für bestimmte Zielgruppen entschlacken und verkürzen?
Jürgensen: Von solchen Schmalspurausbildungen halte ich wenig. Die jungen Menschen müssen vollwertig ausgebildet werden, und einige brauchen dafür vielleicht sogar etwas mehr Zeit, statt weniger!
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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