Mit dem neuen Jahr verbinden wir oft große Hoffnungen. Wir wünschen uns zum Beispiel mehr Erfolg im Job oder, dass es mit der Liebe endlich klappt. Kann das überhaupt glücklich machen?

BrockmannDas sind hohe Erwartungen, und wenn sich diese nicht erfüllen, ist das enttäuschend. Das kann unglücklich machen. Man sollte schon Ambitionen haben. Das hilft, sich zu orientieren, sich auszurichten. Aber man sollte sich nicht zu sehr grämen, wenn man nicht alle Ziele erreicht.

Also besser nicht zu viel erwarten und keine guten Vorsätze fassen?

BrockmannDagegen spricht nichts, solange man tolerant für Enttäuschungen ist. Mit Erwartungen sind Gefühle wie Vorfreude verbunden, die auch schon glücklich machen. Sich seine Ziele auszumalen, kann sehr erfreulich sein, und auf dem Weg dahin kann man schon das ein oder andere Positive erleben.

Was sind die Voraussetzungen für ein glückliches Leben?

BrockmannJeder Mensch hat sein eigenes Glücksrezept, aber die Zutaten ähneln sich. Runtergebrochen sind diese: Haben, Lieben, Sein – wobei der Schwerpunkt auf den letzten beiden liegt. Bei den Grundbedürfnissen ist mehr zu haben gut, also wenn man nicht frieren oder hungern muss. Aber auf dem Niveau befinden sich viele in unserer Gesellschaft nicht, und dann ist immer mehr zu haben nicht so befriedigend wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Ist Glück eine Frage des Alters?

BrockmannJa, besonders glücklich sind die ganz Jungen und die Alten. Im mittleren Alter sinkt die Glückskurve ab – trotz der vielen sozialen Beziehungen, der familiären Situation und des gesellschaftlichen Statusses. Das ist eine Frage der Referenzpunkte: Wie stark vergleicht man sich mit anderen, und wie stark sind sie aufgerieben zwischen den vermeintlichen Möglichkeiten und den Zwängen?

Was ist Ihr Tipp für ein kleines Glücksgefühl?

BrockmannLange schlafen, Sport machen, anderen nah sein. Das ist etwas, das man selbst gut im Griff hat. Viele Dinge, die glücklich machen, kann man eben nicht beeinflussen. Deshalb sollte man sich von den ganzen Glücksratgebern auch nicht verrückt machen lassen.

Hilke Brockmann ist Glückforscherin. Die Soziologie-Professorin lehrt an der privaten Jacobs University in Bremen. Ihre These lautet: Ein glückliches 2013 hängt vor allem von einem selbst ab, man solle nicht zu streng mit sich sein.