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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Hanebüchene Spekulationen

02.03.2018
Frage: Herr Gaycken, wie überrascht sind Sie von dem Angriff auf das als besonders sicher geltende Regierungsnetz?
Gaycken: Überhaupt nicht. Strategische Spionage in Ministerien findet die ganze Zeit statt. Und die Bundesregierung tut wenig, um sich vor derartigen Angriffen zu schützen.
Frage: Welches Ausmaß hat der Angriff?
Gaycken: Nach allem was wir wissen, ist das Ausmaß begrenzt gewesen. Es handelt sich wohl nicht um Massenspionage, sondern um sehr gezielte Angriffe auf einzelne Abteilungen. Die Hacker sind mit chirurgischer Präzision vorgegangen und waren technisch hochversiert. Anscheinend waren sie auf der Suche nach Material zu Russland.
Frage: Konnten die Angreifer sensible Daten erbeuten?
Gaycken: Streng geheime Daten sind nicht an Systeme angeschlossen, die übers Internet erreichbar sind. Um an diese Daten zu kommen, müsste man zusätzlichen Aufwand betreiben. Da müsste man Leute einschleusen, die Schadsoftware vor Ort auf die Hochsicherheitssysteme aufspielen. Aber auch in den weniger gut geschützten Bereichen finden sich wichtige Informationen. Wenn man sich gut genug auskennt, kann man auch aus Terminkalendern strategische Informationen ziehen.
Frage: Wer steckt hinter den Angriffen?
Gaycken: Die Russen stehen im Zentrum des Verdachts, aber es könnten genauso gut die Ukrainer oder die Amerikaner gewesen sein, die sich dafür interessieren, welche Linie Deutschland gegenüber Moskau verfolgt. Alles, was man derzeit an Zuschreibungen lesen kann, sind hanebüchene Spekulationen.
Frage: Wie häufig kommt es zu Hacker-Angriffen auf Regierungsrechner?
Gaycken: Das ist absolut gang und gäbe. Alle Nachrichtendienste führen Angriffe auf ausländische Behörden durch. Da jetzt aus allen Wolken zu fallen ist ein sehr deutsches Phänomen. Andere Staaten sind von dieser naiven Reaktion schon genervt. Ich weiß zwar nicht, ob und, wenn ja, in welchem Umfang deutsche Nachrichtendienste derartige Aktionen durchführen, aber ich hoffe, dass es sie gibt.
Benjamin Moscovici
Korrespondentenbüro Berlin
Tel:
0441 9988 2018

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