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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Das können Schulen vom Digitalpakt erwarten

21.03.2019

Frage: Herr Tonne, 30 000 Euro soll jede Schule in Niedersachsen aus dem Digitalpakt Schule erhalten – worin sollen die Schulen das Geld konkret investieren?
Tonne: Es ist vorgesehen, grundsätzlich jede Schule im Rahmen des Förderverfahrens mit einem Sockelbetrag in Höhe von 30 000 Euro auszustatten. Auch hier sind bei Investitionen die Vorgaben des Digitalpakts zu beachten. Der Sockelbetrag soll garantieren, dass möglichst alle Schulen profitieren und keine Schule abgehängt wird. Hierauf aufbauend wird es weitere Gelder geben, da wird natürlich die Anzahl der Schülerinnen und Schüler eine wichtige Rolle spielen. Zum neuen Schuljahr soll jeder Schulträger wissen, wie hoch die gesamte Fördersumme für jede seiner Schulen ist. Gefördert werden können vor allem schulisches WLAN, interaktive Tafeln, digitale Arbeitsgeräte für die technisch-naturwissenschaftliche Bildung oder die berufsbezogene Ausbildung, im begrenzten Maße auch schulgebundene mobile Endgeräte wie Tablets.
Grant Hendrik Tonne BILD: dpa/Holger Hollemann

Schulminister und vierfacher Vater

Grant Hendrik Tonne ist 42 Jahre alt und Vater von vier Kindern. Seit November 2017 ist der SPD-Politiker aus dem Landkreis Nienburg niedersächsischer Kultusminister, zuvor war der Jurist Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion.

Frage: Wie viel Geld bekommt Niedersachsen insgesamt aus dem Digitalpakt und wie ist die weitere digitale Förderung der rund 3000 Schulen geplant?
Tonne: Über den Digitalpakt erhält Niedersachsen 470 Millionen Euro. Hinzu kommt eine Eigenbeteiligung von zehn Prozent, so dass damit rund 520 Millionen Euro in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen. Derzeit erarbeiten wir eine Förderrichtlinie, auf deren Basis die Schulträger Anträge für ihre Schulen stellen. Die Förderungen dürfen auch nur basierend auf einem Medienentwicklungskonzept ausgeschüttet werden. So wollen wir absichern, dass nicht einfach Technik angeschafft, sondern diese auch pädagogisch-didaktisch sinnvoll eingesetzt wird. Diese Voraussetzungen gelten für den Sockelbetrag ebenso, wie für weitere Mittel aus dem Digitalpakt.
Frage: Gibt es regionale Unterschiede darin, wie weit die jeweiligen Schulen in puncto Digitalisierung sind? Oder sind beispielsweise weiterführende Schulen generell weiter als Grundschulen?
Tonne: Niedersachsens Schulen sind vielfältig und unterschiedlich, das gilt auch für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht und die digitale Infrastruktur. Bisher hing vieles am jeweiligen Engagement der Schulträger, der Schulleitungen und Lehrkräfte. Jetzt haben wir mit den Mitteln aus dem Digitalpakt die Chance, alle Schulen zukunftsfähig aufzustellen. Grundsätzlich spielt der Einsatz von digitalen Medien in Grundschulen eine geringere Rolle als im weiterführenden Bereich. Das halte ich auch für richtig, denn in der Grundschule muss es zu allererst um die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen gehen. Aber auch hier wollen wir Medienbildung fördern. Gut aufgestellt sind bereits viele berufsbildende Schulen.
Frage: Wie sollen die Lehrer in die Lage versetzt werden, Schüler auf einen verantwortungsvollen Umgang mit der digitalen Welt vorzubereiten? Hilft ein Schul-Pflichtfach Informatik, wie es der Verband der niedersächsischen Gymnasialdirektoren fordert?
Tonne: Es ist völlig richtig, die Debatte nicht auf die Technik zu reduzieren. Es geht auch nicht um Ersatz, sondern um Ergänzung bewährter Lernformen. Der Einsatz zum Beispiel eines Tablets ist kein Wert an sich. Es geht darum, einen Mehrwert zu schaffen für das Wissen und die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Sei es mit Blick auf die Medienbildung – also die Kenntnisse über Chancen und Risiken digitaler Technik – oder sei es im jeweiligen Fachunterricht über das große Potenzial des individuellen Lernens für Schülerinnen und Schüler. Beides geht nur mit Lehrkräften, die pädagogisch und didaktisch vorbereitet sind. Jährlich nehmen bereits rund 20 000 Lehrkräfte an Fort- und Weiterbildungen aus dem Feld der Medienbildung teil. Bei der Veranstaltung „Mobile Schule“ an der Uni Oldenburg waren 1000 Lehrkräfte. Das zeigt: Das Interesse ist hoch, ebenso wie der Bedarf nach Schulung und Input. Ich halte zudem viel davon, Informatik zu stärken und perspektivisch nicht nur als Wahl-, sondern als Pflichtfach anzubieten.
Frage: Sie haben das Projekt „Bildung 2040“ ins Leben gerufen. Wie sieht aus Ihrer Sicht die Bildung der Zukunft in Niedersachsen aus? Wann verlassen die Kinder morgens nicht mehr mit Schulranzen oder Rucksack, sondern nur noch mit einem Tablet-Computer das Haus?
Tonne: Das Projekt Bildung 2040 liegt mir so am Herzen, weil wir in der Tagespolitik meist ausschließlich eine Defizitdebatte führen, aber kaum eine Chancendebatte: Zu wenig Lehrkräfte, zu wenige Erzieher, zu viele Probleme! Diesen negativen Tenor zu durchbrechen und Raum zum freien Denken über Bildung zu geben, ist das Ziel. Ich glaube, die Menschen haben sehr konkrete Vorstellungen und Visionen, wie in unseren Kindergärten und Schulen gelehrt und gelernt werden sollte in Zukunft. Ich werde diesem spannenden Prozess nicht im Ergebnis vorgreifen. Aber klar ist: Der Schulbesuch, das gemeinsame Lernen mit anderen Kindern und Jugendlichen, das wird bleiben. So werden über das reine Wissen hinaus Tagesstruktur, Verantwortungsbewusstsein und soziale Kompetenz vermittelt. Punkte, die jetzt und in Zukunft wichtig bleiben, mit und ohne Tablet. Bildung 2040 bietet zudem die Möglichkeit, das Lernen mit digitalen Medien als Chance zu begreifen und es zur Normalität in Schule werden zu lassen.
Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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